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Indoor-Test - Runde 1

Special:

23.3.2006 - 15:11 MEZ


Ich ver-miss Dich!

Überraschende Ergebnisse liefert der Indoortest: Leser schwingen, FlightScope und GolfMaster vermessen ein- und den selben Golfschwung.


Mit brillanter Grafik versetzen uns Golfmaster und Co. nach Pebble Beach - aber blenden sie uns dabei und gaukeln uns Schlagergebnisse vor, fernab von der Realität? 
Golf-Live lud ausgewählte Leser zum großen Indoortest in die Golfhalle, zur ersten Runde einer ganzen Serie von Praxistests, mit der wir sowohl Golfsimulatoren als auch Swing-Analyzer auf Herz und Nieren testen wollen.

Den neuen Golfmaster 3, wie dreifach in der Golfhalle Budocenter zu erleben und die mit Radar messende Neuheit FlightScope wählten wir für den ersten Test aus. Das Besondere dabei: erstmals messen in unserem Testdesign zwei ganz unterschiedliche Geräte jeweils ein und denselben Golfschwung. Denn nur so sind die gemessenen Daten von Schlaglänge, Ball- und Schlägerkopf-Speed, Back- oder Side-Spin wirklich vergleichbar - da jeder Golfschlag, wie wir alle wissen ein einzigartiges, nicht zu reproduzierendes Kunstwerk ist.


Arthur Breuss: wie stark der Slice?

Verblüffend streuende Ergebnisse

"Überraschend", war das meistgesprochene Wort bei unseren Testern, aber auch bei den Repräsentanten Heinz Blank (Golfsim, FlightScope) und Heinz Briem (Golfmaster), als wir stundenlang Daten von Golfschlägen aufzeichneten. Dabei konzentrierten wir uns auf jene Messdaten, die von BEIDEN Systemen angezeigt werden, um auch einen ehrlichen Vergleich aufstellen zu können: schon die gemessenen Durchschnitte zeigen, dass plus/minus 5 bis 10 % bei den Werten die Regel ist, wenn abwechselnd, Driver, Eisen 6 und Wedge bewegt werden.

Messdaten-Durchschnitte GolfMaster FlightScope Abweichung
Ball-Geschwindigkeit (km/h) 187,4 180,6 max. 19
Schlägerkopf-Geschwindigkeit mp/h 88,5 85,1 max. 21,6
Ball-Abflugwinkel Höhe (in Grad) 20,9 20,1 max. 5,2
Ballspin-Initial Backspin rpm 5533 4995 max. 4163
Schlaglänge Carry in Metern 147,6 140,5 max. 30

Zuviel des Guten - und des Schlechten

In allen Messkategorien zeigt der Swing Analyzer des GolfMasters deutlich "mehr" an: mehr Geschwindigkeit von Schläger, Ball, mehr Höhe, mehr Backspin - das resultiert oft in 10 bis 20 Metern mehr Weite als die Radarmessungen von FlightScope. Die Abweichungen sind nicht immer konsistent, also nicht immer durch die nähere Analyse der gemessenen Ball- und Schlägerdaten der beiden Systeme in ihrer Abweichung erklärbar.

1. Ergebnis: Wenn die Ergebnisse so unterschiedlich sind: zumindest ein System muss sich irren, vielleicht auch beide.

Außerdem "überrascht" die angezeigte Schlagrichtung. Bei einer durchschnittlich gemessenen Schlaglänge von 140 oder 147 Metern landete der Ball aus der Richtung 10,7 Meter entfernt, also wurden von den Systemen im Ergebnis weiter rechts oder links als beim Konkurrenzprodukt angezeigt! Ein Teil der Abweichung lässt sich dadurch erklären, dass FlightScope den Landepunkt des Balles angibt, der GolfMaster dagegen die Endposition inklusive Roll.

2. Ergebnis: obwohl die Systeme sich noch relativ einig sind, mit welcher Abweichung der Ball rechts oder links startet (Pull oder Push), wird der seitliche Drall unterschiedlich interpretiert - bis zu 39,2 Meter im Endergebnis wurde unterschiedlich der Einfluss von Slice und Hook gemessen.

Ich glaub, ich Spin ...

Noch mehr aus der Kategorie "überraschend": mit dem 9,5 Grad-Driver wurde im Schnitt ein Backspin von 4.000 bis 5.000 Umdrehungen in der Minute gemessen - bei unsauber getroffenen Bällen zeigt der GolfMaster jedoch bis zu 10.650 rpm, FlightScope beim gleichen Schwung 6.500 rpm an.

3. Ergebnis: Eine Gurke ist auch am Simulator eine Gurke, aber wir messen zwei verschiedene Sorten.

Na, wer misst denn nun richtig? Diese Frage wird unser erster Simulatortest offen lassen, weil wir wollen ja weitertesten, soviel Spaß hat es allen Beteiligten gemacht. 

Subjektives Urteil der Tester

Sicher ist nur: GolfMaster und FlightScope projizieren den Ball ganz unterschiedlich in die simulierte Golflandschaft. Vielleicht hilft ein wenig weiter, was das subjektive Gefühl unserer Tester sagt, die allesamt Handicaps zwischen 10 und 23 aufwiesen. Also alles bessere Golfer, die durchaus wissen, was ihr Golfschwung hergibt und was nicht.


Michael Pachler fühlt sich um 
20 Meter beschenkt
Michael Pachler (Hc. 10,8) gönnte der Golfmaster ein strammes Eisen 6 mit 170 Metern: "So weit komme ich nie, eher 150 Meter", diese Weite gab FlightScope ziemlich exakt an. Die Rechtstendenz in den Schlägen gibt Pachler zu, FlightScope misst diese aber bis zu 20 % extremer.

Arthur Breuss (Hc 20,6) maßen beide Systeme von der Weite erstaunlich übereinstimmend, nur der GolfMaster interpretiert einen sehr starken Slice, sieht ein Eisen 6 bis zu 30 Meter weiter rechts. 


Karl Tordy (Hc 23,4) gibt der GolfMaster ebenfalls beim Eisen 6 gute 20 Meter zum eigenen Können dazu: "170 Meter gelingen mir nie, die Hook-Tendenz stimmt aber." 

Nick Stolterfoht (Hc 11) fühlte sich um einige Meter geprellt: beim Drive zwickt ihm FlightScope gute 25 Meter ab, beim Wedge sind es beim GolfMaster immerhin 20 Meter, so jedenfalls seine Einschätzung. Die Erklärung dafür finden beide Systeme in Pull und Slice, den der GolfMaster aber wieder viel stärker in die Waagschale wirft - bis zu 28 Meter in der Richtung sind sich die Systeme uneinig.

Pro Klaus Effenberg, Routinier am GolfMaster in der Golfhalle, sieht bei den Carry-Drivelängen von 220 - 240 Metern den GolfMaster richtig, FlightScope gibt ihm nie mehr als 210 Meter. Einige Kunstschläge, die Effenberg für uns hinzaubert, dividieren die Simulatoren wieder extrem weit auseinander: einen rechts startenden, flachen "Stinger" mit dem Eisen 6 sieht GolfMaster im Ergebnis annähernd gerade, FlightScope gibt ihn 39 Meter weiter rechts an. Ein extrem getopptes Eisen 8 misst GolfMaster 97 Meter lang in der Luft, FlightScope sieht die Landung nach 69 Metern und nur 2,6 statt 8,8 Grad Höhe.

4. Ergebnis: es hängt ganz von den Eigenheiten Ihres Schwungs, der Schlägerhaltung, des Schwungpfads etc. ab, wie gnädig die Systeme mit ihnen sind. Den Glücklichen schenkt vor allem der GolfMaster gleich 20 Meter, die Unglücklichen bestraft er mit jeder Menge Backspin, hohem Abflugwinkel des Balles oder seitlicher Streuung.

"Überraschend war für mich, dass die Messdaten nicht weiter abweichend waren, weil hier zwei ganz unterschiedliche Systeme verglichen wurden," will Heinz Briem vor allem den Spielcharakter des GolfMasters in den Vordergrund rücken. Heinz Blank sieht bei FlightScope eine wesentlich genauere Messmethode am Werk: "Mit Radar wird Schläger, Schwungpfad und Ballflug einige Tausend Mal gemessen, daher ist das Gerät auch eine professionelle Trainingshilfe." In einem nächsten Schritt möchte Blank daher die Probe aufs Exempel machen und FlightScope auf einer Driving Range im Outdoor-Test überprüfen lassen.