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Kommentar:
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30.7.2011 / 10:12 MEZ |
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Tiger nie wieder der Alte
Tiger Woods räumt zum x-ten Mal den gesundheitlichen,
privaten und beruflichen Scherbenhaufen auf. Was ist von seinem Comeback
zu erwarten, wie der Ausblick auf seine sportliche Restkarriere?
"Die besten Jahren liegen noch vor mir," überraschte
Tiger Woods mit seiner Sicht der Golfwelt wenige Tage vor dem Comeback
beim Bridgestone Invitational 2011. Der Tiger brüllt wieder -
der Unterschied zu früher: McIlroy, Manassero, Fowler und Co.
nehmen das achselzuckend zur Kenntnis, keiner fürchtet sich.
Ich schliesse mich jenen an, die Tiger einen Realitäts-Check
empfehlen. 35 Jahre alt, seit 4 Jahren in schmerzhafter Dauer-Rehab
nach vier Knie-Operationen. Dazu chronische Achilles-Probleme. Familie
und viele Freunde haben sich verabschiedet, dazu Trainer, Caddie,
6 Hauptsponsoren fort.
Und nach 14 Majortiteln und jahrelanger Nummer 1 sollen also zumindest
15 weitere folgen? Ich kauf ihm das nicht ab.
Spitzensportler berichten übereinstimmend, wie sich langwierige
Verletzungen vor allem im Kopf festsetzen. Das Schlimmste dabei: die
permanenten Schmerzen, die Selbstzweifel, die Erfahrungen der gesundheitlichen
Niederlage und der eigenen körperlichen Grenzen fressen sich
über lange Zeit tief in die sportliche Seele.
Es ist, als würde am Computer der Reset-Button gedrückt
und nach dem Neustart tonnenweise negative Programme installiert werden.
Das System muss nachher schlechter laufen.
In den 15 Jahren zuvor wusste Tiger vor den letzten 9 Löchern
eines Turniers: ich bin der Beste, bin praktisch unbesiegbar und mein
körperliches Vehikel läuft geschmiert.
Nach dem Comeback muss er sich sagen: ich bin älter, zerbrechlich
und besiegbar - und die anderen wissen das auch! Das ist der Unterschied,
den er mit markigen Sprüchen übertünchen möchte.
Tigers Grunddilemma liegt in seinem Werdegang. Papa Woods hat aus
seinem Sohn mit eiserner Disziplin einen Modellathleten geformt, der
in Kombination mit seinem Supertalent zum unbesiegbaren Megastar wurde.
Der militärische Drill verhinderte jedoch, ihn auch charakterlich
auf das Leben vorzubereiten. Nach dem tragischen Tod des Vaters fehlte
das Korrektiv, das Tiger wenn notwendig den Kopf zurechtrückte.
Er selbst konnte das sichtlich nicht.
Der Karriere-Knick begann schon lange, bevor Tiger seinen Cadillac
in den Hydranten steuerte. Man kann ihm nur wünschen, dass der
freie Fall irgendwie zu stoppen ist. Am Erfolg des Comeback hängt
mehr als nur sportlicher Ehrgeiz. Fans und Tiger selbst sollten jedoch
am Boden der Realität bleiben, sonst wird es noch schmerzhafter.
von Joachim Widl
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