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| Vorschau 1: |
16.7.2003 / 8:46 MEZ
Golf-Live.at / Joachim Widl |
Open für Ballkünstler
Nicht "Longest Drive" sondern "Nearest to the Pin" wird den 132. British Open-Champion hervorbringen, sind sich die Experten für den morgen beginnenden wichtigsten Golfevent des Jahres einig.
Klingt doch wie geschaffen für Markus Brier, der zumindest den Cut schaffen möchte. |

Markus Brier:
"Die Open ist das Größte für mich"
Foto: GEPA / TA
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Die erste Trainingsrunde am absoluten Neuland von Royal St. George's hat in
Markus Brier die Lust auf klassisches Links-Golf geweckt: "Ball im Spiel halten, gut mit dem Wind arbeiten und viel Vorstellungskraft, wo man den Ball landen soll," war beim Wiener am Dienstag auch jede Menge Spaß im Spiel dabei. Bei seiner zweiten British Open wirkt der 35-jährige Wiener wesentlich gelöster als bei seiner Premiere vor zwei Jahren, genießt die einmalige Atmosphäre, die schon an den Trainingstagen zu spüren ist: "Da sitzen Tausende Zuschauer auf den Tribünen, die mehr Stimmung erzeugen, als bei manchen Turnieren am Finaltag herrscht".
"Das einzige Major für mich"
Die Hochstimmung ist bei Brier nach überstandener Qualifikationsschlacht durchaus verständlich: "Die British Open ist das Größte für mich, weil es das einzige Major-Turnier ist, bei dem ich mitspielen kann". Der andere Grund: klassisch britisches Links-Golf kommt dem Spiel von Österreichs Nummer 1 entgegen. Der knochenharte Dünenkurs mit seinem offenen Layout und der Windexponiertheit verlangt nach Präzision und Köpfchen, bevorzugt also eindeutig die Künstler gegenüber den Athleten: "Das Wichtigste hier ist Kreativität und Vorstellungskraft, welchen Schlag man spielen soll," beschreibt Brier.
Daher schlägt man am 6.450 Meter langen Par 71-Kurs sehr oft ein Holz 3 oder ein langes Eisen vom Abschlag, weil sich der Platz relativ kurz spielt und es nur gilt, den Ball richtig am Fairway zu platzieren. Die Grüns sind zumeist nicht im Flug anzuspielen, auf den Trainingsrunden sah man Kunstschüsse, wo der Ball 50, 60 Meter vor dem Grün aufkam und mit Müh und Not im Umkreis der Fahne zum Halten gebracht werden konnte. "Die Grüns sind enorm schwer, auf einigen sind größere Wellen drin, als in Österreich auf den Fairways", konnte sich Markus nur wundern.
Schlüssellöcher für eine gute Runde kommen für Brier auf den zweiten 9 Löchern: das 220 Meter lange Par 3 der Nummer 11 kann vor allem bei Gegenwind zu einem Par 4 werden, interessant ist auch das 500 Meter lange Par 5 der 14, wo durchgängig auf der rechten Seite nah am Fairway die Ausgrenze lauert. Und schließlich das 440 Meter lange Par 4 der 15. Spielbahn, das aufgrund einer Bunkerlandschaft vor dem Grün nur im Flug angespielt werden kann. Zum wichtigsten Faktor könnte typisch für England das Wetter werden: "Ein wenig Wind wünsche ich mir schon, das ist gut für mein Spiel, aber nicht gleich 50 km/h und mehr. Denn dann wirds hier mörderisch schwer"!
Noch eine Rechnung "open"
Unser Magister der Betriebswirtschaft hat aber auch noch eine kaufmännische Rechnung mit der British Open offen. Auf sechs Qualifikationsrunden und 36 Löchern im Hauptbewerb 2001 hat er bislang nur ein mikriges Major-Taschengeld kassiert, möchte heuer erstmals voll auf seine Rechnung kommen: "Dabeisein ist nicht genug für mich, heuer möchte ich unbedingt den Cut schaffen", gibt sich Brier selbst als Ziel vor. Unvergessen ist sein Pech bei der Open vor zwei Jahren, als er als 71. den Cut der besten 70 nur um einen Schlag und einen Rang verpaßte.
156 Sieganwärter?
Fast jedem der 156 Teilnehmer ist die Klasse für einen Open-Sieg zuzutrauen. "Um zu gewinnen muß man auch viel Glück haben", meint etwa Tiger Woods über die oft unkalkulierbaren Bedingungen, die ihm nicht gerade entgegenkommen. Zu den Favoriten zählen vor allem die Hausherren von Colin Montgomerie über Padraig Harrington, Darren Clarke, Ian Woosnam bis Phillip Price, auch die Jungstars Paul Casey, Justin Rose oder Ian Poulter. Am Häufigsten wird jedoch Titelverteidiger Ernie Els genannt, der in der Vorwoche einen überlegenen Start-Zielsieg bei der Scottish Open feierte. Aber auch zwei ehemalige Sieger der British Open in Royal St. George's sind am Start: Greg Norman, der hier bei der letzten Austragung 1993 gewann und der Schotte Sandy Lyle, Sieger von 1985. Markus Brier fühlt sich in dem stargespickten Feld nicht als chancenloser Außenseiter: "Natürlich ist hier alles vertreten was Rang und Namen hat, alleine den Cut zu schaffen ist sicher schwieriger als sonst im Jahr. Aber vier Jahre auf der Tour haben mir gezeigt, dass ich überall mitmischen kann, wenn es gut läuft."
Amis zeigen Komplexe
Die Amerikaner gelten seit dem katastrophalen Abschneiden bei der British Open im Vorjahr (nur Scott Hoch als 8. in den Top 10) und der Niederlage im Ryder Cup als krasse Außenseiter, zeigen teilweise Anzeichen eines britischen Komplexes. Kein Wunder, wird doch auf der US-Tour zumeist auf Plätzen gespielt, die lange Drives und hohe Flop-Shots rund ums Grün verlangen, während beim Links-Golf auch Shorthitter eine Chance haben, die rund ums Grün besser nach der Methode "Bump & Run" arbeiten, also den Ball früh aufkommen und lang ausrollen lassen. Tiger Woods wird nach zuletzt vier Majors, die ihm durch die Pranken gegangen sind, auch nicht als Favorit gehandelt, besonders nicht bei einer British Open, wo er im Vorjahr nach 81 Schlägen in der 3. Runde nur am 28. Platz gelandet war.
Markus Brier startet am Donnerstag erst im drittletzten Flight um 15:44 Ortszeit in seine zweite British Open, gemeinsam im Flight mit dem Engländer Kenneth Ferrie und dem Amerikaner Joe
Durant.
News und Scoring in englischer Sprache bietet die offizielle Website der
British Open unter der Internetadresse http://www.opengolf.com/.
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