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Putt-Angst geht um

Tigerline_Golf_Live_atAm letzten Meter zum Loch verstolpern Österreichs Tourpros zur Zeit den Erfolg. Die große Putt-Angst geht im heimischen Lager um: wäre intuitives Putten der Schlüssel?

Die Kärnten Golf Open der letzten zwei Jahre war überwiegend ein Putt-Wettbewerb: zu leicht ist der Golfclub Finkenstein für bekannt exzellente Ball-Striker wie Manuel Trappel, die Nemecz-Brüder, Leo Astl oder Jürgen Maurer, die erst bei Kälte und Dauerregen etwas besser ins Bild kamen. Vor allem am Eröffnungstag hatten die internationalen Gäste gnadenlose Birdieorgien hingelegt und mit ultratiefen Scores das Geschehen dominiert. Von 16 Österreichern am Start kam erneut keiner in die Nähe eines Topergebnisses.

Die Puttschwäche von Österreichs Pros sprang nicht nur ins Auge sondern war auch akustisch in Spieler-Statements zu vernehmen – in der Bandbreite von leichtem Ärger bis purer Verzweiflung. Während Nationaltrainer Fred Jendelid Defizite bei der Putt-Technik selbst diagnostiziert, fiel mir die kollektive Unsicherheit am Grün auf: die Angst vor den Big Putts aus ein bis drei Metern, die letzten Umdrehungen des Balls, die zwischen Erfolg und Misserfolg am Leaderboard, Position in der Order of Merit, Weltranglistenpunkten und dem Kontostand des Pros entscheiden – und fast noch wichtiger: über das Selbstbewusstsein beim Putten!

Was nicht zu übersehen war, besonders auf den Schlusslöchern: das übergewissenhafte, endlos wiederholte Lesen der Puttlinie. Sehen sie Break, Strich und Speed nicht auf Anhieb oder wollen sie auf Nummer Übersicher gehen? Letzteres ist der Fall, meinen die Spieler. So wird der anstehende Schicksals-Putt immer und immer wieder gelesen, bis die Verwirrung komplett ist und der Ball auch garantiert vorbei geht.

Intuitive, schnelle Entscheidungen, das propagieren Sportwissenschafter als Rezept: Professor Sian Beilock hat dazu bereits vor Jahren an der University of Chicago eines von mehreren bahnbrechenden Experimenten in dieser Richtung durchgeführt: sie lud Golfanfänger und gute Spieler zum Putten ein, jeweils mit beliebig langer Puttvorbereitung und in der zweiten Versuchsanordnung mit extrem strengem Zeitlimit von 3 Sekunden. Ungeübte Spieler profitierten von längerer Nachdenkfrist, die ihnen Gelegenheit gab, alle Faktoren zu berücksichtigen, während geübte Spieler besseren Erfolg mit kurzer Vorbereitungszeit hatten. “Gute Spieler waren am treffsichersten unter Zeitdruck. Hatten sie viel Zeit zum Nachdenken, versagten sie,” so Professor Beilock.

Den größeren Kontext dazu liefert der Deutsche Intuitionspapst Dr. Gerd Gigerenzer. Jeder Golfpro schöpft nach Zehntausenden Putts aus einem gigantischen Erfahrungsschatz, der das perfekte Einschätzen jeder Puttsitiuation innerhalb kürzester Zeit erlaubt: “Experten, die in einem Gebiet viel Wissen und Erfahrung angesammelt haben, können dem Ergebnis ihrer Intuition vertrauen,” lautet Gigerenzers Credo. Noch interessanter der Umkehrschluss: Misstrauen sie ihrer Intuition, indem sie das Bauchgefühl durch wiederholtes Überprüfen der Entscheidung in Frage stellen, versagen sie.

Besonders trifft dies laut Gigerenzer auf motorische Fähigkeiten zu, also im Spitzensport. Intuitives Putten bedeutet, dem Unterbewusstsein zu erlauben, aus dem eigenen unermesslichen Datenpool zu schöpfen und in Sekundenbruchteilen Entscheidungen zu treffen. Dann kann die eigentliche Putt-Routine beginnen und volle Konzentration darauf gelegt werden, den Putt-Stroke technisch sauber zu exekutieren.

Im Kern geht es am Grün darum, den Ball zu markieren, Pitchmarke ausbessern und die Situation selbst einmal zu ignorieren. Wenn Andere zuerst putten, kann die Zeit genutzt werden sich einfach nur zu sammeln und positiv auf die kommende Aufgabe einzustimmen. Erst wenn man selbst an der Reihe ist, kommt es zum Lesen der Puttsituation – genau einmal und sofortiger Entscheidung wie der Putt zu spielen ist. Unmittelbar danach setzt der gewohnte Ablauf der Putt-Routine ein. Verändert wird nur das Lesen und Entscheiden wie der Putt bezüglich Linie und Speed zu spielen ist.

Der Erfolg, den intuitiv und rasch getroffene Puttentscheidungen bringen, stärkt das Selbstvertrauen: Die Angst vor dem Big Putt weicht der Freude, wie sie gute Putter vor jedem Versuch empfinden, den Ball ins Loch zu befördern. Freude am Golfplatz führt zu besseren Ergebnissen, denen unsere Spieler außerhalb der Top 1000 der Weltrangliste bereits viel zu lange nachlaufen.

Von Joachim Widl

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Eltern Bonusmalus

Wer schützt unsere Golftalente vor überehrgeizigen Eltern? Sind sie reif genug um selbst mit Papa-Handicap Karriere zu machen?

Bei der Gösser Open 2015 wurde Österreich auf der Amateurfront ordentlich eingeschenkt. Früher spielten unsere besten Amateure schon mal um den Sieg in Maria Lankowitz mit. Jetzt darf man froh sein, wenn wie im Vorjahr noch drei Amateure cutten – heuer war es kein einziger mehr! Terminkollisionen, die das Antreten reiferer Kaderspieler verhinderten, sollten hier nicht als Ausrede herhalten, die gabs früher auch schon.

Während bei den Girls Emma Spitz, Lea Zeitler, Isabella Holpfer oder Leo Bettel ordentlich Dampf machen, gabs bei den Boys auf internationaler Ebene zuletzt wenig zu feiern.

Bei der Ursachenforschung hört man immer wieder die gleichen Gründe: Spielplan der Marke “Haudrauf”, Mängel im Kurzspiel, wenig Trainingseifer – und überehrgeizige Eltern.

Letzter Punkt ist wirklich erstaunlich. Wenn Papa und Mama dem aufstrebenden Golfstern aus eigenem Haus im Weg stehen, ist das besonders bitter, aber leider häufig der Fall. In den ersten Karriereschritten konnten die Eltern vielleicht noch ein paar Tipps geben. Aber spätestens beim ersten Leistungstraining müssten sie ihre Kids abgeben und vertrauensvoll den Pro(fi)s überlassen. Ich weiss, das ist sehr, sehr viel verlangt, aber ein entscheidender Schritt im golferischen Reifungsprozess.

Das “Loslassen” erweist sich für die Meisten als allerschwerste Übung. Statt dessen wird von vielen bei jeder Kleinigkeit im ÖGV und bei Trainern interveniert, werden weiter völlig inkompetente “Tipps” gegeben und nach den Turnierrunden das letzte Pflänzchen an Selbstbewusstsein mit “Manöverkritik” gekillt. Und wenns mal halbwegs läuft, trägt der Papa am Sonntag als Caddie seinen Teil bei, damit der Junior auch garantiert abstürzt, weil die Schultern des Taschenträgers zu breit sind. Weil man ja selbst alles besser weiß über den Schwung des Juniors als alle Trainer zusammen. In jedem Golfschlag schwingen die Ideen von Trainer und Papa mit – das Ergebnis kann nur Out of Bounds sein.

Ich habe vor Jahren im ÖGV erfolglos angeregt, alle Eltern von Kaderspielern einen “Verhaltenscodex” unterschreiben zu lassen, wo sie sich zu folgendem verpflichten: alle Interventionen bei ÖGV, Trainern, Journalisten aufgrund von Befangenheit verboten! Abstand halten und aus der Ferne Daumen drücken.

Die Rolle der Eltern sollte sich beschränken auf:
1. Zahlen
2. Chauffieren
3. Vorcaddie (200 Meter weit weg)
4. Erfolge feiern

Hand aufs Herz: wer möchte den eigenen Golfnachwuchs bestmöglichst fördern oder sich in Wahrheit nur über den Umweg der eigenen Kinder wichtig machen?

Die Erkenntnis, wie man als Elternteil am Besten Unterstützung leistet, wäre eigentlich leicht zu bekommen. Man bräuchte nur jeweils den Scoreschnitt der letzten 10 Turnierrunden mit und ohne Anwesenheit der Eltern auszurechnen um zu wissen, ob man vor Ort den Junior beflügelt oder verkrampfen lässt. Der Schluss, den Papa und Mama daraus ziehen müssen, ist in den meisten Fällen sehr schmerzhaft.

Es gibt natürlich auch die Mustereltern, die loslassen können und sich darüber freuen, ihren Kindern das Rüstzeug für eine hoffnungsvolle Karriere mitgegeben zu haben.

Wer die Golfkarriere im eigenen Haus wirklich fördern möchte, der wird zusätzlich zu jeder Menge Zeit und Geld auch noch dieses Opfer bringen müssen, das vielleicht entscheidende überhaupt. Vor diesen Eltern habe ich die allergrößte Hochachtung.

von Joachim Widl

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Lauter Weh’s!

Tigerline_Golf_Live_at

Österreichs Golfsport lebt von Wiesberger, Wolf & Wo. Warum gewinnen unsere Weh’s nicht mehr – so wie Woods oder WcIlroy?

Bernd WIESBERGER schafft es bis auf Rang 36 im World Ranking vor – ganz ohne Punkte für Siege auf der European- oder US PGA Tour in den letzten beiden Jahren (*)! Durch drei Zweite, drei Dritte und sieben weitere Top 10-Platzierungen. Dieses Kunststück gelang zuletzt 2013 George Coetzee, der ohne große Titel bis auf Rang 41 vorkam.

Aber was ist los mit Österreichs prominentestem Golf-Weh? Warum spielt er dauernd vorne mit, räumt aber wenig Pokale ab? Fehlt ihm das WINNERS-Gen? Ich wills Euch erklären. Da ich selbst als Weh durchs Leben gehe, weiß ich genau was mit uns los ist.

Jedes Weh marschiert mit Buchstaben-Handicap durchs Leben. Alles geht schön nach dem Alphabet, von A bis W. Das beginnt in der Schule, wo die Kinder nach dem Namen aufgerufen werden. Also sitzen die armen Wehs in der letzten Reihe, stehen ganz hinten am jährlichen Klassenfoto und werden als Letzte zur Tafel gerufen (was nicht so schlecht war…)

Wer verlangt da von uns, plötzlich am Leaderboard an 1. Stelle zu stehen? Wo wir bisher immer als Letzte drankamen und diese Tugend so gut gelernt haben? Das ganze Leben sagen wir “Bitte, nach Ihnen”, “Ladies first” usw. und plötzlich sollen wir im Golf erstmals die Ellbogen ausfahren?

Ja leider! Das verlangen die Fans von uns.

Einst geschah ein Wunder, das die Buchstaben-Hackordnung auf den Kopf stellte. Golfs berühmtestes Weh, Tiger WOODS, begann der Sportwelt seinen Anfangsbuchstaben aufzudrücken. “Nur W’s (WINs) zählen”, so sein Leitspruch, den er 14 Mal bei Majors und 79 Mal auf der US PGA Tour mit Tigergebrüll vorexerzierte.

Und ein Rattenschwanz an Wehs nahm sich das zum Vorbild und muckte ebenfalls auf: WESTWOOD, WALKER, WATSON Tom, WATSON Bubba, WATNEY, WOOSNAM und, und, und…

Auch Tigers Nachfolger als Leithirsch der Golfwelt ist eigentlich ein Weh. Wahrscheinlich war es listige Absicht, dass am Geburtsschein das W zu einem M umpurzelte. Denn wer will schon als Rory WcIlroy durchs Leben gehen!

Kein Wunder, wenn sich das Golfland Österreich daran ein Beispiel nehmen wollte. Uli WEINHANDL oder Ulf WENDLING waren unsere ersten Wehs, die aber mit Buchstaben-Handicap deutlich weniger gewannen als ihrem Talent entsprach.

Erst Martin WIEGELE ebnete den heimischen Wehs den Weg zu großen Ehren, ehe Bernd WIESBERGER in seine Fussstapfen trat. Christine WOLF sucht auch noch das Winners-Gen auf der LET, ihr einziger “W” war auf Kreta ein Abbruch-Sieg nach nur einer gewerteten Runde.

Aber die Wehs sind nicht mehr aufzuhalten. Niki WIMMER, Benji WEILGUNI drängen nach. Und im ÖGV stand Franz WITTMANN acht Jahre lang eisern an der Spitze.

Und wenn das eigene Golftalent überschaubar bleibt? Dann zieht es halt ein Weh wie mich ins World Wide Web zu wolf-live.at.

von Joachim WIDL

(*) Das World Ranking ist im Wesentlichen eine Wertung aus dem Durchschnitt der gesammelten Punkte in den letzten 24 Monaten. Bernds letzter Sieg beim Indonesian Masters vom Frühjahr 2013 (Asian Tour) steuert nur noch 1,83 Punkte zu insgesamt 147,6 Punkten bei, die ihn am 9.2.2015 auf Rang 36 hievten.

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Jahr der Wahrheit

Tigerline_Golf_Live_at

Österreichs Ryder Cup-Bewerbung rückt unseren Golfsport voll ins internationale Rampenlicht. Haben wir außer Bernd Wiesberger irgend etwas Nennenswertes zum weltweiten Golfgeschehen beizutragen? Das Jahr 2015 wird zum ultimativen Test.

Als im August 2014 die ersten Gerüchte unter Insidern die Runde machten, dass Ali Khaffaf (Golf Open Event), Robert Fiegl (ÖGV-Generalsekretär) und Siegi Wolf (neuer Fontana-Eigentümer) an einer Ryder Cup-Bewerbung basteln, wurde das Vorhaben von vielen belächelt.

Mehr als eine Schuhnummer zu groß für unser kleines Golfschrebergärtchen! Dieser Meinung schloß auch ich mich zu diesem Zeitpunkt an. Ein halbes Jahr später weicht die Skepsis einer gewissen Neugierde, was Österreich alles ins internationale Schaufenster stellen wird: angeführt von einem tief ins Portmonnait greifenden und auf der gesamten Big Business-Klaviatur zwischen Ontario und Moskau spielenden Siegi Wolf und was in seinem Windschatten sonst noch Überraschendes folgen wird.

Österreich gibt dabei international überhaupt keine Lachnummer ab, wie manche befürchten: bei meinem >> Interview mit Marco Kaussler (Chef von RC Deutschland) war zu spüren, wie man dort mit größter Hochachtung von den Ambitionen der kleinen Nachbarn sprach, nachdem der Business-Background bekannt war.

Nach anfänglichem Zögern wird sich wohl bis zum Frühjahr alles was hierzulande in der Golfszene Rang und Namen hat hinter Österreichs Ryder Cup-Bewerbung versammeln – aus Überzeugung oder aus patriotischer Pflicht. Egal ob wir mit Fontana oder Zillertal ins Rennen gehen.

Ryder Cup Europe verlangt in seinem Pflichtenheft als absolute Grundbedingung einer Bewerbung die geschlossene Unterstützung von der hohen Politik bis zum Stammtisch in jedem Golfclub. Diese Forderung könnte der heimischen Golflandschaft durchaus gut tun, die sich oft in kleinlichen Eifersüchteleien zwischen Boden- und Neusiedlersee verstrickt.

Mittlerweile glaube ich, dass Golfösterreich mit gemeinsamer Kraftanstrengung durchaus in der Lage wäre, eine Bewerbung abzugeben, für die wir uns nicht verstecken müssen.

Ob das für den Zuschlag als Austragungsort für den Ryder Cup 2022 reichen wird, das wird im Headquarter der European Tour hinter verschlossenen Türen entschieden werden, mit vielen Unwägbarkeiten. Im Lobbying-Match hinter den Kulissen werden viele Kräfte unsichtbar mitmischen, wie beispielsweise BMW als wichtigster Sponsor der European Tour. Österreich hat dort als kleiner Erstlingskandidat nicht die allerbesten Karten und wird sich als Außenseiter einiges einfallen lassen müssen um zu punkten.

Die größte Schwachstelle: Österreich kam bislang nie auch nur in die Nähe, einen Spieler für den Ryder Cup zu stellen. Einem Gastgeberland sollte zugetraut werden, mit zumindest einem Heimspieler das lokale Publikum zu begeistern.

Wenn im heurigen Herbst die Würfel fallen, sollte Bernd Wiesberger besser in Bombenform spielen und ein paar weitere Nachwuchshoffnungen wie die Nemecz-Brüder oder Matthias Schwab für weltweite Schlagzeilen sorgen, sozusagen als glaubhaftes Versprechen für die Zukunft.

Bei den weiters geforderten “hochkarätigen Turnieren auf allen Ebenen” hilft mal ein wenig die Preisgeldaufstockung bei der Lyoness Open. Leider fehlt nun schon jahrelang ein Ladies European Tour-Event und vielleicht ein zweiter, dritter Challenger. In diesen Belangen wird Österreich aber sowieso nie und nimmer auf eine Stufe mit Spanien, Italien oder Deutschland zu stellen sein und wird anderweitig punkten müssen.

Ein mögliches Winning-Szenario könnte so aussehen, dass zwei annähernd gleich starke Bewerbungen etwa von Deutschland und Spanien eine Patt-Stellung bei Abstimmungen ergeben und man sich nur auf einen lachenden Dritten, wie Österreich oder Italien einigen könnte.

Was wäre sonst noch entscheidend? Die politische Unterstützung durch Finanzminister Hans-Jörg Schelling ist zumindest ein Anfang, nachdem sich in der Vergangenheit kein Politiker öffentlich als Golfer zu outen wagte. Mehr, viel mehr muss hier allerdings an Bekenntnissen, in Worten und Taten folgen, etwa eine millionenschwere staatliche Finanzierungsgarantie – in harten wirtschaftlichen Zeiten nicht leicht umsetzbar.

So oder so schlägt für Golfösterreich die Stunde der Wahrheit, ob wir mehr als nur ein paar touristisch erwähnenswerte Golfplätze und einen einzigen Spieler in den Top 1000 der Weltrangliste vorweisen können. Ob aus den vielen ambitionierten Ansätzen, von internationalen Toptrainern im Verband, ausgebauten Förderstrukturen für den Sportnachwuchs im ÖGV, dem beachtlichen Investment von Straka und Weindorfer in ein heimisches European Tour-Event bis zu den touristischen Anstrengungen genug golfkritische Masse zusammenkommt um im Konzert der Golfgrossmächte überhaupt wahrgenommen zu werden.

2015 sollte also besser ein sensationell erfolgreiches Jahr für Österreichs Golfsport werden. Dann und nur dann würden wir glaubhaft das Versprechen abgeben auch eine würdige Bühne für einen Ryder Cup in 7 Jahren zu bieten.

Ob Ryder Cup Europe das am Ende auch so sieht, wäre umso schöner – aber eigentlich nur eine zusätzliche Bestätigung für einen Weg, auf den unsere Golffamilie dann stolz sein könnte.

von Joachim Widl

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Verheizte Talente

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Matthias Schwab verliert nach Ermüdungsbruch im Rückenbereich zumindest ein Golfjahr. Schon zuvor ruinierte das gnadenlose US Collegolf Steffi Endstrasser oder Philipp Fendt die Karriere.

Zahllos sind die Erfolgsbeispiele europäischer Spitzenspieler – wie etwa Luke Donald oder Graeme McDowell – die über das US-Collegegolf zu Weltkarrieren im Profisport gereift sind. Gratis Uni-Ausbildung auf einer Eliteuniversität inbegriffen. Kann man eigentlich nur gewinnen?

In der Realität leider nein! Österreichs wenige Golftalente, die von US-Scouts verpflichtet wurden, entwickelten sich sportlich nicht wie erhofft weiter. Vielmehr wurden die meisten im gnadenlosen Bootcamp-Drill verheizt.

Statt Feinschliff gibt es Schleiferei ohne Ende um zur Ehre der Uni in den nationalen Wettkämpfen zu bestehen. Nicht die sportliche Weiterentwicklung sondern das gnadenlose Auspressen des teuer eingekauften Investments steht für die Colleges in Amerika im Mittelpunkt.

Wer nicht sofort in das System aus Drill & Kill hineinpasst, “gets benched”, wie die Amerikaner sagen, landet also am Reservebankerl. So geschehen mit wahrscheinlich Österreichs größtem weiblichen Talent der letzten 10 Jahre, Stefanie Endstrasser. Die Scouts der “Purdues” holten Steffi nach Amerika, wo sie nach gutem Einstiegsjahr zu den “Trojans” in Südkalifornien wechselte. Der dortige Trainer war weniger überzeugt von der Tirolerin und ruinierte 2010 endgültig eine vielversprechende Karriere, die ohne neue Erfolgserlebnisse und Selbstvertrauen ein abruptes Ende fand.

Noch weit brutaler geht es bei den Boys zu. Matthias Schwabs Probleme aus “Übertraining” in Nashville wuchsen sich zum Ermüdungsbruch im unteren Rücken aus, wie Vanderbilt Head Coach Scott Limbaugh gegenüber der Golfweek USA erklärte. Seine Spielpause wird sich von März 2014 nun zumindest bis zum nächsten Frühjahr hinziehen. Zur Zeit kann “Matt” in Vanderbilt nur im Zeitlupentempo schwingen, wie mir Vater Andy Schwab in einem Videoclip vorführte.

Wie konnte Österreichs herausragendes Golftalent, das bei der Lyoness Open 2010 bereits als 15-jähriger auf den Spuren eines Matteo Manassero wandelte, so jung in Rückenprobleme schlittern? Eine Mischung aus nicht gerade gesundem Golfschwung und extrem großem Fleiß und Ehrgeiz ist dafür verantwortlich. Der gnadenlose USA-Drill ist dann endgültig zuviel. Schwab, der mit einem Score-Durchschnitt von 72,15 die Nummer 1 bei den “Commodores” war, fällt zumindest für ein Jahr aus – im besten Fall!

Dabei gab es bereits zuvor Beispiele genug, wie junge heimische Talente ausgebrannt aus Amerika kommend ins Profilager wechseln: Philipp Fendt musste nach einer beeindruckenden Amateurkarriere, die ihn bis auf Rang 26 der Weltrangliste führte, nach nur einem Jahr auf den europäischen Satellite Tours das Handtuch werfen. Auch bei ihm spielte der Rücken im Alter von 23, 24 Jahren nicht mehr mit.

Clemens Prader, Sarah Schober, Caro Pinegger, Nadine Dreher, Lisa Unterganschnigg und, und, und. Die Liste der in Amerika nicht wirklich zu Topspielern gereiften heimischen Talente ist elendslang. Noch interessanter der Umkehrschluss: Maudi, Bernd, Wieschi, Gergely. Alle unsere wenigen Turniersieger auf den Profitours verzichteten komplett auf den Umweg USA und bauten ihre Karriere daheim auf.

Bei manchen Golfvätern und ihren hochtalentierten Kindern ist die Message nun hoffentlich angekommen. Gerold Folk etwa, ein weiteres hoffnungsvolles Golftalent aus der Steiermark, lässt nach anfänglichem Liebäugeln die Finger von Amerikas Collegegolf. Aus eben diesen guten Gründen, wie sein Vater mir unlängst bestätigte.

Dort wo Österreichs Nachwuchs halbwegs gesund aus Amerika zurückkehrte, fand der Karriere-Push jedoch erst so richtig in Europa statt: Christine Wolf oder Nina Mühl machten nicht in Amerika, sondern erst nach dem Sprung ins Profilager auf der Ladies European Tour wieder zuletzt große Fortschritte.

von Joachim Widl

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Tiger-Rummel nervt

Tigerline_Golf_Live_at

Tigers Umfeld und die US-Medien wollen der Welt weißmachen, dass die Ära Woods unverändert weitergehen … könnte, würde, sollte. Dabei leben Fans und ihre jungen Idole längst in einer neuen Wirklichkeit.

Das Schauspiel der letzten Monate um den prominentesten Golfrücken der Welt war an Heuchelei kaum zu überbieten. Aus Rücksicht auf millionenschwere Werbeverträge und Einschaltquoten bei Golfchannel und Co. lief seit Juni ein Comeback ab, das gar keines war. Das hat sich auch Tiger nicht verdient, dessen Denkmal Steinchen für Steinchen demoliert wird.

Wer die gesicherten Facts über Tigers abgearbeiteten Golfkörper mit Rückenspezialisten und Golftrainern diskutiert, kommt unweigerlich zum Schluss, dass es in Zukunft keine reguläre Saison mit entsprechend intensivem Trainung, mit 15 bis 20 Turnierstarts und zumindest 4, 5 Siegen an Ausbeute geben wird um die Uhren im World Ranking zurückzudrehen.

Dennoch musste Tiger viel zu früh beim National sein Comeback geben – weil seine eigene Foundation dieses Turnier veranstaltet und ein neuer Sponsor mit dem bezeichnenden Namen “MusclePharm” präsentiert werden wollte. Bei der Open Championship quälte sich der Medienstar vier Tage lang zu einem 69. Platz, wobei er an Tag 3 sogar die letzte Tee-Time an der 10 bekam, damit die US-Fans keinen seiner 73 Golfschläge zu bester TV-Zeit im Amerika versäumen.

Dem PR-bemühten @tigertracker geht auf Twitter langsam der Schmäh aus. Vom “besten Job der Welt” zwitschert er schon lange nicht mehr und muss spöttische Tweets der “Tiger-Haters” so gut es geht verbal parieren.

Der Gipfel der Tiger-Nerverei wurde beim PGA Championship erreicht: Mit “Because I can” zündete Tiger eine weitere Nebelgranate im Pressezelt, wobei spätestens am 2. Tag nach 2 Löchern klar war, “No, he can’t”!

Anstatt den packenden Birdiewettlauf an der Spitze von Roars, Lefty und Rickie ausgiebig zu würdigen, wird die TV-schauende Golfwelt zu anderen Bildern verdonnert: Tiger marschiert vom Grün zum nächsten Tee (humpelt er oder nicht?), flüstert mit Joe LaCava (was haben die zu besprechen?), CloseUp auf seine versteinerte Miene (hat er Schmerzen oder nicht?), 10 Wiederholungen samt Analyse jedes weggehookten Drives…

Endlich verkündet Nick Faldo nach stundenlangem Grübeln: “Man kann wohl sicher sagen, dass die Zeit der Tiger-Dominanz von früher vorbei ist. Jetzt ist er nur noch ein Spieler wie viele andere, die ein Turnier gewinnen können.” Danke Nick!

Wieder einmal dürfte das Business über den Sport gesiegt haben: 30 Millionen Dollar-schwere Sponsorverträge von Tiger galt es zu erfüllen – wobei Woods 2014 nur in der Lage ist, die geschäftliche, aber nicht die sportliche Seite zu bedienen.

Die Karawane ist jedoch längst weitergezogen: nachdem der Golfchannel noch im Frühjahr nach Tigers Verletzung über 30% Minus bei Einschaltquoten jammerte, zeichnen die Nielsen-Zahlen nach dem Finaltag der PGA Championship ein ganz anderes Bild: über 6 Millionen US-Haushalte verfolgten wie Phil und Rickie den Schlussflight mit Rory und Bernd jagten. Das sind um 30% mehr Zuseher als im Vorjahr, als Tiger am Sonntag noch im Bild war! Die besten Einschaltquoten also seit 5 Jahren, auch schon am tigerlosen Samstag.

von Joachim Widl

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Game of Losers

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Bei Golfturnieren verliert man pausenlos – selbst wenn man zu den Besten zählt. Die Top 10 der Welt gewinnen vielleicht eines von 25 Turnieren. Deshalb lieben die Buchmacher den Sport so sehr, nirgendwo können sie besser verdienen.

Als Jordan Spieth beim Players Championship wieder mal am Schlusstag spektakulär implodierte, war es ausgerechnet Sergio Garcia, der die vielleicht intelligentesten Worte fand:

“Das Golfspiel ist leider ein Spiel der Verlierer. Wir verlieren viel mehr Turniere als wir gewinnen, das wird auch ihm so gehen. Das passiert mir und jedem von uns.”

Als Tiger Woods 2013 bei seinem Comeback an die Spitze der Golfwelt 5 von 19 gespielten Turnieren gewann und das World Ranking wieder überlegen anführte, war das so ziemlich das Optimum. Dabei hat er streng genommen 14 Turniere “verloren”, also 74%. Auch er ein Loser? Von Bernd Wiesberger gar nicht zu sprechen, der jetzt schon seit 31 Turnierstarts sieglos ist. Sein Winning Percentage dümpelt irgendwo bei 5 % herum.

Und mit jedem Turnier, dass Bernd vielleicht wie in Atzenbrugg “nur” als Zweiter beendet, höre ich die Fragen: was ist los mit ihm? Gute Tipps von Caddiewechsel bis neue Schläger hinterher. Ja und jetzt rächt es sich, dass er keinen Mentaltrainer und Augencoach beschäftigt.

Diese Leute haben das Golfspiel einfach nicht verstanden. In keinem anderen mir bekannten Sport sind Seriensieger so vom System her praktisch ausgeschlossen wie im Golf. Die Spieler haben damit kein Problem, ich auch nicht, aber die breite Sportöffentlichkeit schon.

Fans scharen sich nun einmal hinter dem Leitwolf, also Golfs erfolgreichsten Österreicher. Das war mal Markus Brier, kurze Zeit auch Martin Wiegele und jetzt halt Bernd Wiesberger. Selbst Hobbygolfer, die ihre Kugel keine 180 Meter weit schlagen, bekommen emotional ein Stück des Erfolges ab, wenn ihr Idol gewinnt. Aber halt nur bei Siegen – und das ärgert, wenn man dieses Gefühl nicht jede Woche mitempfinden kann, weil mein Star schon wieder nicht gewann.

Es gibt aber auch glückliche Fans. Die erinnern sich nicht an die “Playoff-Niederlage bei der Lyoness Open 2014”, sondern an das gelochte Wedge zum Eagle in Runde 2, Loch 3. Mir wird ein anderer Golfschlag ewig in Erinnerung bleiben. Bernds Eisen am Schlusstag aus dem Fairwaybunker, Loch 15 (Par 5), aus 250 Metern bis auf 6 Meter zum Stock. Linksgolferisch gespielt, 20 Meter vorm Grün aufgekommen und zur Eaglechance ausgerollt.

Hat man ein Heimturnier tatsächlich verloren, wenn man 111.110 Euro für eine Woche Arbeit verdient, gut 20.000 Leute in die Tullner Pampa gelockt und dort vier Tage lang glänzend unterhalten hat? Was Bernd in den Augen vieler Beobachter “gerettet” hat, dass er wenigstens sein US Open-Ziel erreicht hat.

Dabei hätten wir so viele Gewinner, wenn man sie nur sehen wollte: Amateur Lukas Lipold, von dem die wenigsten zuvor gehört haben, der zwei 71er-Runden schießt. Oder auch abseits von Atzenbrugg im Touralltag der Nachwuchs-Pros: ein Bernie Reiter, der ohne fixen Startplatz mehrmals auf gut Glück nach Lateinamerika fliegt und bei 5 Montags-Qualifyern gleich 4 Mal einen Startplatz erreicht. Nach der 64, mit der er in Mexiko die Quali mit Riesenvorsprung gewann, standen fassungslose Jung-Pros aus Amerika vor dem Aushang, Zitat:: “Who the F… is Bernie Reiter?” (und wussten nicht, dass er daneben steht…)

Oder das Beispiel Bernard Neumayer, der von Salzburg exakt 374 Kilometer zu seinem Trainer Thomas Feyrsinger nach Lignano RADELT – einfach um fit zu bleiben.

Glücklichere Menschen sind jene Fans, die Gewinner auch dann erkennen, wenn sie nicht auf P1 am Leaderboard auftauchen.

von Joachim Widl

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Um die Wurst

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Neben Freund(in) Conchita wagen auch Alps- und Pro Golf Tour einen gefährlichen Tanz zwischen den Fronten. Der Kampf um die Wurst ist vor allem in Österreich voll entbrannt – am Ende wird wohl keiner satt.

Seit die Pro Golf Tour (früher EPD Tour) von Deutscher PGA und Langer Sport Marketing die Golfmärkte Österreich und Italien anknabbert, ist der Kampf mit der Alps Tour um Turniere für die 3. Euroliga voll entbrannt.

Mehr Konkurrenz sollte doch das Geschäft beleben, oder? Im Golf ist es eher so: wenn die Wurst von zwei Seiten angeknabbert wird, bekommt zwar jeder einen Zipfel – am Ende wird aber keiner satt.

Für das Alps Tour-Kernland Österreich bedeutet das: die Gösser Open bleibt fest in Alps Tour-Hand, Adamstal und Haugschlag ziehen die etwas günstigere Variante der Pro Golf Tour vor. Ähnlich ist es bei den Spielern: Tiroler und Salzburger wie Astl, Neumayer, Reiter, Rieder oder Jo Steiner bevorzugen die kürzeren Wege Richtung Deutschland, die Steirer wie Tobi Nemecz und Burgenländer wie Uli Weinhandl fühlen sich in Italien und Frankreich wohler.

Pikant ist vor allem, dass die Front ausgerechnet durch Österreich verläuft, wo Alps Tour-Chefin Traude Neuwirth eigentlich ein Heimspiel haben sollte. Adamstal und Haugschlag zeigen jedoch die kalte Schulter und argumentieren mit geringeren Kosten und schlankerer Organisation der effizienten Deutschen.

Höhere Preisgelder von bis zu 48.000 Euro auf der Alps Tour (30.000 Pro Golf Tour) bringen deutlich stärkere Felder und härteren Wettbewerb, dem manche Spieler bewusst ausweichen wollen. Ob das gut ist, sei dahingestellt.

Als die Pro Golf Tour mit Italien ein zweites Kernland der Alps Tour angraben wollte, lief das Fass über. Bei Challenge Tour-Boss Alain de Soutrait, der die vier Satellite Tours unter seinen Fittichen hat, lief die Alps Tour erfolgreich Sturm. Die Italiener verbleiben exklusives Alpenland und die Pro Golf Tour wurde unter Kuratel gestellt.

Einerseits verloren die Deutschen einen Aufstiegsplatz in die Challenge Tour, wonach heuer nur noch die besten 4 statt 5 (Alps Tour) aufsteigen. Außerdem setzt die Pro Golf Tour erstmals eine Qualifying School an.

Die besonders für ihr aggressives Marketing bekannten Deutschen erledigten diese Aufgabe gewohnt kreativ: die Tourschool im Oktober 2014 wird nur über 36 Loch ausgetragen (bei der Alps Tour mit 36 Loch Vorrunde plus 54 Loch Finale) und das saloppe Mindesthandicap von -3,5 öffnet die Tür für praktisch jeden lustigen Singlehandicapper.

Bei den Nenngeldern punktet dagegen die Alps Tour: 85 Euro sind im Vergleich zu 250 Euro auf der Pro Golf Tour ein gewichtiges Argument, was den Deutschen den Ruf eintrug, dass die Spieler wie auf der amerikanischen Hooters Tour im Kern um ihre eigene Kohle spielen, die im Hut zuvor eingesammelt wird.

Dass im Prinzip zwei Geschäftsmodelle um die Gunst von Golfclubs und Kleinsponsoren buhlen, doch Nachwuchsturniere zu veranstalten, sorgt im Endeffekt für zwei zu schwache Turnierserien mitten in der Wirtschaftskrise. Weder Fisch noch Fleisch also – und das ist mir gar nicht wurscht.

von Joachim Widl

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Der Größte aller Zeiten

Tigerline_Golf_Live_at

Je näher Tigers Karriereende rückt, desto hitziger die Debatte: ist er “The GOAT“, “Greatest Of All Times”? Unmöglich zu sagen. Weil per Definition ist diese Frage nicht vor dem Ende aller Zeiten zu beantworten. Warten wir besser noch eine Ewigkeit.

Nein, es geht nicht um den Ziegenbock, wenn Amerikas Golffans debattieren, wer “THE GOAT” sei. Likers und Haters zerstreiten sich an der Frage, ob Tiger Woods der Größte Golfer aller Zeiten ist – oder vielleicht eher Jack Nicklaus dank seiner 18 Majorsiege?

Eine echte Glaubensfrage für jeden Golffan – ist Tiger Woods wirklich die ultimative Lichtgestalt der Fairways und Grüns, angesichts derer selbst ein Ben Hogan oder Jack Nicklaus verblassen?

Ich glaube eher, diese Diskussion ist blanker Unsinn – das brauchen nur wir Golfjournalisten, um Dir tagtäglich neue Superlative auftischen zu dürfen. Das verkauft bunt bedrucktes Papier am Kiosk genauso wie Werbebanner in der Onlinewelt und sichert schreibende Arbeitsplätze.

Auch ein Niki Lauda als zu seiner Zeit Allergrößter der Formel 1 wurde medial bald von Ayrton Senna in den Schatten gestellt. Danach avancierte Michael Schumacher zum “GOAT”, ehe jetzt seine Rekorde von Sebastian Vettel Stück für Stück ausgelöscht werden. Die Halbwertszeit für den Superlativ “für alle Zeiten” wird kürzer und kürzer.

Genauso vergänglich rollt die Kugel im Golfsport. Eine Karriere von Ben Hogan ist mit jener von Jack Nicklaus nicht vergleichbar, schon allein da Hogan ein paar Jährchen durch den Zweiten Weltkrieg verlor. Die 18 Majortitel von Jack Nicklaus wiederum wurden in einer Zeit erspielt, als die Weltspitze bei weitem nicht so eng beinander war wie zu Tigers Zeiten.

Meine Lösung: Machen wir aus “The Greatest of ALL Times” (GOAT) doch besser den “Greatest of THEIR Time“, abgekürzt GOTT. Das löst alle Probleme und passt viel besser.

Sam Snead, der Golf-Gott der 40er-Jahre, gefolgt von Ben Hogan, dem Göttlichen der 50er. Jeweils ein Jahrzehnt später waren Arnold Palmer, Jack Nicklaus und Seve Ballesteros die Godfathers des Golfsports. Heute pilgern die Fans halt zum Schrein des Tiger Woods.

Woods oder auch Nicklaus als den “Größten aller Zeiten” zu betiteln wäre respektlos gegenüber den Leistungen von Hogan oder Snead, die genauso eine ganze Ära prägten.

Der Golfgott möge uns verzeihen, wenn wie ein Vielgöttertum betreiben. Wie es Rory McIlroy unlängst treffend formulierte: der Golfsport braucht eine dominante Figur als Zugpferd für die Medien. Wer wird der grüne GOTT nach der Ära Tiger sein?

von Joachim Widl

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Bernd kein Wintertyp

Tigerline_Golf_Live_at

Anschluss an die Top 50 im World Ranking verloren! Müssen wir uns Sorgen machen? Nicht wirklich, nach Bernd Wiesbergers bestem Golfwinter der Karriere.

Anfang Dezember klopfte Bernd Wiesberger zuletzt bei den Top 50 der Weltranliste an. Über den Winter fiel er vom 53. auf den 66. Rang zurück und ist wieder mehr als “nur einen Sieg” vom Eliteclub der Golfwelt und damit vom Schlaraffenland der Majors und World Golf Championships entfernt.

Mittlerweile gibts jedoch Jammern auf hohem Niveau unter den Fans, daher höre ich immer öfter: “Woran liegts? Am Putten, an den Nerven, zuviel Druck?”

Ehrlich, ich mache mir zur Zeit keine Sorgen um den Karriereweg des Bernd Wiesberger. Vor allem, nachdem er seinen bislang besten Golfwinter soeben absolviert hat. Zwar waren es “nur” 10,29 Punkte, die er zwischen Dezember 2013 und Februar 2014 für das World Ranking gesammelt hat. Doch das reicht dank des 9. Platzes von Dubai für eine neue Karrierebestmarke.

Oder anders gesagt: Bernd ist kein Wintertyp, die Jahre davor war er noch schlechter, wie folgende Grafik beweist, die seine Performance im World Ranking nach den vier Jahreszeiten seit 2010 aufschlüsselt.
>> Wiesberger WR-Punkte saisonal großes Bild



Seine beste Zeit ist demnach das Frühjahr, wo es in den letzten beiden Saisonen jeweils knapp 40 Punkte Zuwachs gab (= obere Linie in der Grafik). Im Winter gibt es natürlich weniger und kleinere Turniere, die untere Linie zeigt daher den Punktedurchschnitt pro Turnierstart, die aussagekräftiger ist. Aber auch hier die gleiche Tendenz: der Winter ist eine eiskalte, brotlose Zeit für unsere Nummer 1.

Erklärungen dafür sind gar nicht so schwer zu finden. Auch der stärkste Kraftlackel braucht mal eine Phase zur Regeneration und gegen Jahresende war von Bernd klar zu vernehmen, wie ausgepumpt er mental und körperlich nach einer harten Hauptsaison war. Besser kurzer Winterschlaf als golferisches Burnout!

Jene Europäer, die in den Wintermonaten erfolgreich unterwegs sind, haben entsprechend viel Geld in einen Winterstützpunkt investiert. Zuletzt Lee Westwood, den es nach Florida zum Überwintern zog. Auch Martin Kaymer praktizierte das “Go West” Richtung Arizona, dort golferisch angekommen ist er aber noch nicht.

Bernds Wintertraining daheim im Burgenland reichte nicht aus um ohne Rostspuren beim Desert Swing aufzuspielen. Es benötigte zwei Missed Cuts in Abu Dhabi und Qatar, ehe das Werkel in Dubai wieder wie geschmiert lief. Wenn Bernd sein persönliches Winterloch überwinden will, wird kein Weg an Florida, Kalifornien oder ähnlichen Winterquartieren vorbeiführen.

Dennoch macht Wiesberger Fortschritte: die vor zwei Jahren noch klar erkennbaren Schwächen im Kurzspiel hat er mittlerweile weitgehend ausgemerzt. Am meisten fehlt noch das schnelle Anpassen an ungewohnte Platzbedingungen, vor allem fürs Putten. So gesehen war es eine gute Idee, den Abstecher nach Puerto Rico auszulassen, da Karibikgolf nicht wirklich in seinem Standardrepertoir zu finden ist.

Seine besten Golfwiesen liegen klar in Europa und Asien, hier feierte Bernd die größten Erfolge. Für einen “World Player” im Sinne der Top 50 fehlen am Meisten die Ergebnisse auf amerikanischem Boden, wo es aber die fettesten Punkte zu holen gibt. Ein 55. Platz beim Bridgestone Invitational 2012 ist von seinen 5 Abstechern nach Amerika bereits das absolute Highlight.

Was Bernd jetzt am Meisten braucht, ist Turnierpraxis, endlich mehrere Wochen am Stück zu spielen. 8 Turniere in Südafrika wären so eine Gelegenheit gewesen, die er jedoch nicht nützte. In den 9 Wochen nach Dubai teet er nur bei 5 Turnierrunden auf (1x Match Play Championship, 4x Marokko), so kommt man nicht ins Laufen.

Also heißt es weiter Warten, Trainieren und gelegentlich spielen, bis Mitte April. Dann blüht er hoffentlich wieder in Asien und danach in Europa wie gewohnt auf.

von Joachim Widl

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