Gesunder Dämpfer

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Die Aufnahme in den Eliteclub der Top 50 muss warten. Mit schwächeren Ergebnissen schmeisst sich Bernd Wiesberger die Türe zum Eintritt ins Golf-Schlaraffenland mit Majors und Millionen vorerst selbst vor der Nase zu.

Das Spiel “Was wäre wenn” ist auch im Golf gemein. Und das geht so: Hätte Bernd Wiesberger am 72. Loch in Dubai ein Par statt Triplebogey gespielt (was er normalerweise in 99 von 100 Fällen mit links zustande bringt), wäre er beim Accenture Match Play in Runde 1 auf Rory McIlroy getroffen. Ein Score von 2 über Par hätte gereicht um an Stelle von Shane Lowry die Nummer 1 der Golfwelt zu schlagen. Weiter wäre er zur Cadillac Championship, zum US Masters und zur US Open gedüst – die Top 50 der Welt als logische Draufgabe.

Schneeball statt Golfball hieß es statt dessen für Bernd Wiesberger in dem >> Youtube-Klassiker, wo er sich beim Accenture Match Play mit Rickie Fowler duellieren durfte. Der amerikanische Paradiesvogel kassierte kurz darauf für seine Erstrundenniederlage gegen Carl Pettersson schlanke 46.000 US Dollar, zwei Punkte für die Weltrangliste und darf trotz mäßiger Form bei allen heurigen Majors und World Golf Championships weitermachen – so wie alle aus dem Eliteclub der Top 50 im World Ranking. Soweit zur Realität.

Bernd scheint nach der Supersaison 2012 mit zwei European Tour-Siegen und drei Top 10-Ergebnissen eine Verschnaufpause einzulegen. Das sei ihm vergönnt. Sportliche Weltkarrieren verlaufen immer in Stufen und nie linear. Ähnlich in der Wirtschaft: dort wird man bei Erfolgen solange befördert, bis man die “eigene Stufe der Unfähigkeit” erreicht hat (“Peter Prinzip”), also am persönlichen Leistungsplafond angelangt ist.

War der 64. Platz im World Ranking bereits das Karriere-Limit von Österreichs Nummer 1 – oder gehts noch ein paar Stufen höher? Auffällig ist, dass er bei seinen bisherigen Auftritten im Kreis der Weltelite – Major-Debüt bei US PGA Championship, zwei Turniere der World Golf Championships – weit unter Wert geschlagen wurde.

Das erinnert an seine erste European Tour-Saison 2009, als er jeden zweiten Cut verpasste, abstieg, dazulernte und drei Jahre später zwei Titel gewann. Jetzt heißt es dazulernen auf amerikanischen Golfwiesen, wo leider drei Viertel der Majors stattfinden, plus fette World Golf Championships.

Dämpfer, wie sie Bernd jetzt erlebte, sind gesund. So wie Rory McIlroy nach Tigers letzten Erfolgen wieder hart trainiert, wird auch Bernd alles dransetzen, die Schallmauer der Top 50 zu knacken. Sein golferisches “Package” ist gut genug dafür, vergleichbar mit Thorbjorn Olesen, der es zuletzt geschafft hat – als erstem Österreicher winkt Bernd das golferische Schlaraffenland.

von Joachim Widl

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