Bernd Wiesberger 2015

Bernd Exklusiv-Talk

Bernd Wiesberger zieht nach den ersten 150 European Tour-Turnieren im Exklusivinterview mit Golf-Live.at eine Zwischenbilanz über seine Erfolge in den ersten 30 Lebensjahren und die weiteren geplanten golferischen Großtaten.

Golf-Live.at: In Deinen 150 Turnieren auf der European Tour hast Du den Ball in Summe rund 4.000 Km vor Dir hergeschlagen – das entspricht einer Strecke von Oberwart nach St. Andrews und wieder zurück.

WIESBERGER: “Ja das bekommt man von den Entfernungen schon mit und spürt das auch, selbst wenn es sich über einen längeren Zeitraum verteilt.”

Golf-Live.at: In den 150 Turnieren hast Du vor dem 30. Geburtstag mit 4,5 Millionen Euro Preisgeld schon mehr verdient als Markus Brier in seiner gesamten Karriere in 368 Turnieren.

WIESBERGER: “Bei Markus waren doch andere Voraussetzungen, er hatte ein fertiges Wirtschaftsstudium. Das ist natürlich auch eine Zeitspanne, die ihm auf mich fehlt. Ich bin aber schon stolz drauf, dass ich bis heute so weit gekommen bin. Aber ich hoffe, dass dies noch nicht der Zenith war und dass ich noch weiter nach oben klettern kann.”

Golf-Live.at: Als erster Österreicher hast Du bereits alle Majors und World Golf Championships gespielt. Fehlt eigentlich nur noch der Ryder Cup?

WIESBERGER: “Der Ryder Cup ist natürlich das Turnier, das auf meiner Wunschliste ganz oben steht. Auf was ich mich auch freue sind die Olympischen Spiele nächstes Jahr, wo Golf wieder vertreten sein kann. Auch dort kann sich der Golfsport wieder global präsentieren.

Golf-Live.at: Vor dem Ryder Cup 2014 hast Du noch gemeint, das sei kein Thema für Dich. Ist 2016 also jetzt das Thema?

WIESBERGER: “In der Vergangenheit habe ich leider meine guten Turniere in einer Zeit gespielt, wo es keine Punkte für die Ryder Cup-Qualifikation gab. Für 2016 gibt es erst wieder heuer ab September die Möglichkeit Punkte zu sammeln. In eine europäische Mannschaft, die jetzt dreimal gewonnen hat, ist es sehr schwer hineinzukommen.

Aber wenn ich so weiterspiele wie zuletzt, mich über dem Atlantik noch ein bisserl verbessern und bei den Majors vorne mitspielen kann, dann habe ich auch eine Chance auf dieses Team. Ich wäre zwar sehr gerne dabei, aber das ist nicht meine einzige Sorge. Der Ryder Cup ist mehr wie ein Bonus, den man nach einer Saison, wo man sehr gut gespielt hat, entgegen nehmen darf.”

Golf-Live.at: Was fehlt Dir noch in Deiner Karriere, dass Du am Ende irgendwann einmal sagen kannst: jetzt habe ich alles erreicht, was ich mir zugetraut habe.

WIESBERGER: “Sehr schwer zu sagen, weil es gibt immer wieder neue Herausforderungen. Sollte ich jetzt aufhören wollen, wäre das eigentlich schon eine ganz gute Karriere gewesen. Andererseits falls es mir zum Beispiel gelingen sollte, ein Major zu gewinnen, dann würde ich daran arbeiten, ein zweites zu gewinnen. Es ist immer eine Art von Aufstocken.

Im Kern möchte ich mich stetig weiterentwickeln, damit ich mich bei den größten Turnieren immer besser präsentiere. Auf diesen Bühnen will ich meine Top-Leistungen erbringen. Aber eine Karriere auf ein einziges Ereignis zu reduzieren, und dann zu bewerten, ob man das erreicht hat, wäre der falsche Zugang.

Golf-Live.at: Reden wir noch kurz über die Majors: welches kommt Dir von der Charakteristik am ehesten entgegen und wäre dort am ehesten ein österreichischer Sieg möglich?

WIESBERGER: “Drei der vier Majors werden immer auf einem anderen Golfplatz gespielt. Vor allem die US Open und die PGA Championship rotiert wild zwischen ganz unterschiedlichen Schauplätzen. Auch Valhalla, Pinehurst und jetzt Chambers Bay bei der US Open 2015 sind etwas ganz Unterschiedliches.

Ich glaube, dass mir das Masters in Augusta ganz gut liegen kann, vor allem so wie sich der Platz heuer gespielt hat mit ein bisserl weicheren Verhältnissen. Auch wenn ich zu einer PGA Championship komme mit Bedingungen ähnlich wie 2014 in Valhalla. Da konnte man sehen, dass ich mich dort ziemlich wohl fühle.

Ich freue mich aber besonders auf Linksgolf in St. Andrews, wo ich doch schon bei der Dunhill Links Championship immer konstant unter Par gespielt habe, selbst wenn das etwas gelockerte Bedingungen waren. St. Andrews ist sicher ein Schauplatz, wo ich mir für die Open Championship ganz gute Chancen gib, wenn ich weiterhin so gutes Linksgolf spiele, wie zuletzt in Irland. Und wenn bei der Open die Wetterbedingungen etwas verschärft sein sollten, könnte das sicher auch ein Vorteil für mich sein.

Golf-Live.at: Stimmt der Eindruck, dass es Dich eher nach Amerika zieht, obwohl Du in Europa die besseren Ergebnisse erreichst?

WIESBERGER: “Ja richtig. Ich habe in Amerika nicht die Ergebnisse gebracht, die ich mir erhofft hatte nach dem guten Start auf der European Tour. Aber ich habe mir bis zur British Open selbst Bedenkzeit gegeben, ob ich die ein bis zwei Einladungen, die ich heuer noch bekommen könnte, annehmen werde. Sonst werde ich mich vielleicht für den Rest der Saison auf Europa konzentrieren. Aber ich habe noch immer die Chance mit guten Ergebnissen bei den Majors noch ein bisserl Preisgeld zu sammeln um die US Tourkarte zu schaffen.”

Golf-Live.at: Jetzt bist Du bei den “Non Members” auf der US PGA Tour zur Zeit auf Platz 8, was sehr gut ist. Aber  mit 149 Punkten hast Du dennoch erst rund die Hälfte für eine Special Temporary Membership gesammelt.

WIESBERGER: “Es sind aber noch drei Majors und mit der Bridgestone Invitational ein WGC-Turnier, wo noch hohe Punkte ausgespielt werden. Mal schauen, was da noch passiert, es kann sich alles rasch verändern.”

Golf-Live.at: Ist ein Wohnsitz in Amerika ein Thema oder zumindest eine Winter-Base in Arizon oder Florida?

WIESBERGER: “Nein, das war für mich noch nie ein Thema.”

Golf-Live.at: Mein Kollege Iain Carter von der BBC schreibt in seinem Ryder Cup-Buch von einer neuen Bestimmung, dass European Tour-Member ihre eigene Open spielen müssen um für den Ryder Cup spielberechtigt zu sein. Das sei auch der Grund, warum Sergio Garcia wieder bei der Spanish Open dabei war oder die britischen Stars bei der BMW PGA Championship. Kennst Du diese Bestimmung und musst Du daher auch die Lyoness Open spielen?

WIESBERGER: “Das ist mir neu und ist nicht in den Regularien der European Tour soweit ich weiss. Ich kenne bloß die Bestimmung, dass ein Spieler wie Sergio Garcia wenn er die eigene Open spielt nur 13 Turniere pro Jahr auf der European Tour braucht und sonst 15 um in der Rangliste geführt zu werden. Das ist die einzige Regel, die mir bekannt ist bezüglich der Heim Open. Vielleicht möchte die Tour das einführen, aber dass es jetzt schon einen Einfluss auf den Ryder Cup hat, ist mir nicht bekannt.”

Golf-Live.at: In den letzten Jahren warst Du Österreichs One-Man-Show auf der European Tour. Woran glaubst Du liegt es, dass seit Jahren auf der Challenge Tour und der Tourschool kein anderer Österreicher weiterkommt?

WIESBERGER: “Da ich in letzter Zeit nur sehr wenig mit den anderen Österreichern Turniere oder Proberunden spiele, kann ich über ihre Leistungen nicht urteilen und will das auch nicht. Ich weiß persönlich, wie schwierig es ist, sich für die European Tour zu qualifizieren und auf der Tour zu bleiben.

Ich hoffe nur, dass es bloß eine Frage der Zeit ist, dass Österreich wieder mehrfach auf der European Tour vertreten ist, so wie es sein sollte, wie es auch den Talenten im Golfland Österreich entspricht. Es wird wieder Zeiten geben wie vor ein paar Jahren, wo wir vier Spieler auf der European Tour hatten.

Aber es ist erst Halbzeit der Saison und auch bei der Tourschool haben einige unsere Spieler sicher das Potential um ihre Tourkarte zu lösen. Ich hoffe, dass wir 2016 schon wieder mehrfach vertreten sein werden.”

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