Die Saison 2026 rückt immer näher und schon jetzt ist klar: In der LIV Golf Tour wird sich einiges ändern. Die Liga, die sich in kurzer Zeit vom teuren Experiment zu einem echten Kraftpaket in der internationalen Golfszene entwickelt hat, reformiert sich grundlegend.
Daher hält das neue Jahr für die Liga, die seit ihrem Start maßgeblich vom saudischen Staatsfonds unterstützt wird, tiefgreifende Veränderungen bereit, welche sowohl Auswirkungen für Spieler und Teams haben als auch für den globalen Golfmarkt.
Das neue 72-Loch-Format als strategischer Wendepunkt für die Liga
Bisher charakterisierte das 54-Loch-Format die LIV Golf Tour, doch das einstige Markenzeichen, welches zudem als Namensgeber (LIV = römisch für 54) diente, wird nun doch durch das klassische 72-Loch-Format ersetzt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. So wurde die Liga auch aufgrund der fehlenden Runde im etablierten Wettbewerbskorsett nicht dauerhaft ernst genommen. Nach und nach merkten so auch die Verantwortlichen der LIV Golf Tour, dass am 72-Loch-Format nicht länger vorbeizukommen ist.
Die Verlängerung auf vier Tage schafft eine leichtere Vergleichbarkeit zu etablierten Touren. Stars wie Jon Rahm, Dustin Johnson oder Bryson DeChambeau begrüßen diese Änderung. Doch nicht nur die Top-Spieler profitieren von der Angleichung an andere Touren, auch Freunde von Sportwetten haben es so leichter. Das liegt daran, dass das Wetten zukünftig auch bei dieser Tour den Logiken und Wettarten etablierter Touren folgt.
Abseits davon bleibt die LIV Tour allerdings der eigenen DNA treu. Die sogenannten Shotgun-Starts verschwinden nicht einfach in der Versenkung. Vielmehr bleibt das Teamformat erhalten und sorgt weiterhin für eine besondere Note zwischen Liga-Event und globalem Mannschaftsduell. Diese Mischung aus Tradition und eigenem Stil hebt die oft kritisierte Golf-Serie LIV noch immer von der Masse ab.
Änderungen durch neues Format: Chancen auf OWGR-Punkte und Major-Qualifikation
Die Debatte um OWGR-Punkte bei dieser Tour wurde zum Teil hitzig geführt. Zu den größten Argumenten auf der Seite der Gegner gehörte bisher, dass 54 Löcher kein ausreichender Prüfstein seien. Dieser Punkt wurde mit dem neuen Format erstmal aus der Welt geschafft, doch es ist davon auszugehen, dass auch diese Änderungen die generelle Debatte nicht in Luft auflösen werden.
Die nächsten Hindernisse stehen nämlich bereits bereit: Zugangssysteme, die nicht offen genug erscheinen, sowie Feldgrößen, die nicht jedem Geschmack entsprechen und eine Teamstruktur, die den Wettbewerb beeinflusst. Auch die Shotgun-Starts werden gerade von besonders puristischen Golf-Fans weiterhin kritisch betrachtet. Dennoch öffnet die Formatänderung die Tür zu neuen Gesprächen, die vorher noch im Keim erstickt sind.
Eine vollständige Anerkennung im OWGR-System hängt zwar an mehreren Punkten, doch der wohl wichtigste wurde nun gedreht. Sollte es irgendwann doch Punkte geben, wäre das für viele LIV-Stars ein Rettungsanker, da nicht jeder von ihnen sich ausschließlich über Major-Qualifikationen, Einladungen oder Einzelerfolge absichern will oder kann.
Strukturelle Weiterentwicklung der Liga und ihre Position im globalen Golfmarkt
2022 wirkte die LIV Golf Tour noch wie ein Gegenentwurf zu allem, was die Welt des professionellen Golfs bis dahin geprägt hat. Mittlerweile wächst die Tour, vor allem auch dank der immensen Investitionen aus Saudi-Arabien, rasant und hat sich als eigenständige Serie etabliert.
Das Verhältnis zur PGA Tour und zur DP World Tour hat sich dadurch nicht unbedingt entspannt, doch es ist komplexer geworden. So ist es heute keine reine Konkurrenz mehr. Vielmehr ist es ein zusammenhängendes System, in dem jeder versucht, das eigene Profil zu schärfen. Besonders interessant ist beim Vergleich der Touren natürlich ein Blick ins Publikum. Ein Wachstum von beinahe 90 Prozent innerhalb eines Jahres spricht eine deutliche Sprache: Offenbar trifft die LIV-Serie den Nerv vieler Golf-Enthusiasten.
Die internationale Ausrichtung erinnert dabei gelegentlich an eine Wanderkarawane der Top-Spieler. Von Kontinent zu Kontinent reisen die Stars zu den aufwendig inszenierten Events, die auch zahlreiche Entertainment-Elemente beinhalten – ohne dabei das sportliche Ereignis zu vernachlässigen.
Spielerbewegungen, Teamstrukturen und das mehrstufige Qualifikationssystem
Das interne System der LIV-Serie aus Lock Zone, Open Zone und Drop Zone wirkt auf den ersten Blick wie ein sportlicher Survival-Modus. Wer in der Lock Zone landet, kann entspannt in die nächste Saison blicken. In der Open Zone dagegen herrscht Unsicherheit: Das Team entscheidet, ob der Vertrag des jeweiligen Profis zur neuen Saison verlängert wird. In der Drop Zone landen schließlich die Profis, die vom Abstieg aus der Liga bedroht sind.
Die Rekrutierung bleibt dabei ein besonderes Abenteuer. Die Teams entscheiden am Ende selbst, welche Stars zu ihnen kommen können. Andere warten auf Chancen und Wild Cards. Sie stehen bereit, wenn einmal zusätzliche Unterstützung gebraucht wird.
Cleeks Golf Club von Martin Kaymer: Neue Teamkonstellation
Mit Victor Perez hat erstmals ein französischer Golf-Profi den Sprung in die LIV-Serie geschafft. Und nicht zu irgendeinem Team: Der Franzose stößt zu einem Trio, das ohnehin schon wie ein internationales All-Star-Team wirkt. Martin Kaymer, Richard Bland, Adrian Meronk und nun Perez gehen zukünftig für den Cleeks Golf Club an den Start und verbinden Erfahrung, kühles Understatement und europäische Vielfalt.
Perez bringt in das Team nicht nur seine spielerische Qualität ein, sondern auch neue marketingstrategische Möglichkeiten. Für den Cleeks Golf Club ergibt sich dadurch eine vielversprechende Chance aus der Kombination von sportlicher Exzellenz und internationalem Flair.
Der globale Turnierkalender der LIV Golf Tour 2026
Der Tour-Kalender der LIV-Serie 2026 liest sich wie ein Best-of aus allen Ecken der Welt. Als Auftakt wurde Riad gewählt. Bei einem Blick auf die besondere Nähe der Serie zu Saudi-Arabien ist diese Entscheidung wenig verwunderlich. Danach folgen zunächst mehrere Stationen, die mittlerweile feste Größen im LIV-Kosmos sind: Adelaide, Hongkong und Singapur.
Anschließend geht es nach Südafrika, Mexiko und Virginia, bevor dann das spanische Andalusien in Europa auf dem Plan steht. Als Nächstes wartet die Rückkehr in die USA, zum neuen Tour-Standort in Louisiana. Vor dem Tour-Finale im US-amerikanischen Indianapolis geht es dann noch einmal nach Großbritannien. So entsteht eine Saison, die sich wie eine abwechslungsreiche Reise um die Welt mit Golf-Flair anfühlt.
Chancen und Herausforderungen der LIV Golf Tour in Zukunft
Die Formatänderung, die internationale Expansion und der zunehmende sportliche Anspruch im Wettbewerbskosmos der Golf-Welt öffnen der LIV Golf Tour mittlerweile Türen, die vor einigen Jahren noch eindeutig verschlossen waren. Gleichzeitig bleibt die Kritik an der Tour präsent. Politische Debatten, Diskussionen über die Integrität und strukturelle Fragen werden die Liga weiter begleiten.
Der finanzielle Rückhalt aus Saudi-Arabien ist daher Chance und Streitpunkt zugleich. Diese besondere Konstellation sorgt dafür, dass die LIV-Serie sowohl polarisiert als auch anzieht. Auch ein Grund dafür, dass die Zukunft der LIV Golf Tour ziemlich schwer vorhersehbar, aber ohne Zweifel spannend ist.
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