Golf bei Olympia – Lange Tradition mit wenig Einsatzzeit

In der Nähe von Tokio, genauer gesagt in Kawagoe im Kasumigaseki Country Club werden momentan die olympischen Medaillen für die Disziplin Golf bei den Sommerspielen ausgetragen. Die ersten beiden Runden des Einzelwettbewerbs der Herren sind bereits abgeschlossen und der Österreicher Sepp Straka befindet sich bei Runde eins vor dem Thailänder Janewattananond, mit einem überragenden ersten Spiel. Nach der der zweiten Runde landet er insgesamt auf Platz drei und hat somit noch Chancen auf die Medaillen. Als Topfavorit der Online Buchmacher ging Collin Morikawa in das Turnier, der allerdings unter den Erwartungen blieb – doch dazu später mehr.

Golf bei Olympia

Denn zuerst lohnt sich ein Blick auf die Geschichte des Sports, vor allem im Bezug auf die Olympischen Spiele. Die früheste Form des Golfens findet man in Schottland, Belgien und den Niederlanden bereits im 15. Jahrhundert. Doch erst Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten sich moderne Ausrüstung, Verbände und Golfclubs. Das erste professionelle Turnier wurde 1894 in Glasgow ausgetragen und bereits sechs Jahre später war die Disziplin bei den Sommerspielen 1900 in Paris vertreten. Schon damals wurden Turniere sowohl für Herren als auch für die Damen ausgetragen, doch die internationale Bandbreite beschränkte sich auf nur vier Nationen. So waren die USA, Großbritannien und Frankreich in beiden Wettbewerben vertreten, während bei den Herren ebenfalls ein Grieche teilnahm. Beide Turniere konnten von den USA gewonnen werden, und lediglich Walter Rutherford eroberte eine Medaille für die Briten.

1904 fanden die Spiele in St. Louis, im Bundesstaat Missouri statt, wobei es dieses Mal einige Änderungen gab. So entfiel der Wettbewerb der Damen und nur die Einzel- und Mannschaftsdisziplin der Männer wurde ausgetragen. Die Variation an Nationalitäten verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr, wodurch ausschließlich US-Amerikaner und Kanadier bei diesem Turnier zu finden waren. Das Einzel konnte der kanadische Golfer George Lyon für sich entscheiden, während bei den Mannschaften nur Verbände aus den USA teilnahmen. Mitgrund dafür war das Nichterscheinen von einigen der insgesamt sechs angemeldeten Teams. Die Mannschaft der United States Golf Association wurde somit kurzfristig aus zufällig anwesenden Einzelspielern zusammengestellt.

Dann folgt eine lange Pause in der Olympia-Historie des Golfsports. Zwar wurde schon 1908 in London und auch bei späteren Spielen der Versuch unternommen, ein Turnier in dieser Disziplin stattfinden zu lassen, doch es dauerte ganze 112 Jahre, bis es wieder bei den Sommerspielen ausgetragen wurde. Nach St. Louis waren es die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016, welche die Rückkehr des Golfs markierten. Die Einzelwettbewerbe fanden zum wiederholten Male für Damen und Herren statt, wobei je 60 Teilnehmer aus 34 Ländern bei den Turnieren teilnahmen. Bei den Herren sicherte sich der Brite Justin Rose die Goldmedaille und er erzielte das erste „Hole in One“ der olympischen Geschichte. Henrik Stenson aus Schweden landete in Rio auf Platz zwei, während Bronze an den US-Amerikaner Matt Kuchar ging. Bei den Damen dominierte die Südkoreanerin Park In-bee, die bereits sieben Majorsiege einfahren konnte. Sie holte Gold vor Lydia Ko aus Neuseeland und Feng Shanshan aus China. Bester Österreicher der Herren war bei den Sommerspielen 2016 der Wiener Bernd Wiesberger, der auf dem 11. Rang landete. Bei den Damen kam Christine Wolf auf den 43. Platz.

Straka gut aufgelegt

Nun laufen die Olympischen Sommerspiele in Tokio und die erste Runde ist bereits abgeschlossen. Großer Gewinner des ersten Spiels war der 28-jährige Josef „Sepp“ Straka aus Wien. Dieser spielte nicht nur eine perfekte Runde, sondern stellte dabei noch einen olympischen Rekord auf. Mit acht Birdies und keinem Bogey schlug er eine 63 (-8), wobei er am letzten Loch nur knapp an der 62 scheiterte. Mit 64 Schlägen und somit denkbar knapp dahinter, landete Jazz Janewattanond, das 25 Jahre alte Talent aus Thailand. Als einer der stärksten Spieler galt im Vorhinein der junge US-Amerikaner Collin Morikawa, der mit seinen 24 Jahren schon zwei Majorsiege einfahren konnte. Er benötigte für die 18 Bahnen allerdings 69 Schläge (-2) und reiht sich dadurch unter anderem mit dem Österreicher Matthias Schwab ein. So blieb Morikawa vorerst hinter den Erwartungen, könnte sich allerdings im Verlauf des Turniers weiter herankämpfen. Ebenfalls 69 Schläge erzielte der Ire und Golf-Superstar Rory McIlroy, der auch als einer der Favoriten zu den Olympischen Spielen reiste. Die Einstellung von McIlroy gegenüber Olympia ist bekannt. 2016 sagte er seine Teilnahme ab, weil er das Turnier als belanglos ansah.

In Runde zwei mischte sich das Blatt neu und mit 63 (-8) spielte sich der US-Amerikaner Xander Schauffele auf den ersten Rang. Ihm folgen Shane Lowry aus Irland und der Japaner Hideki Matsuyama, beide mit -6 Schlägen. Sepp Straka benötigte an diesem Tag 71 Schläge und damit Par, während sich Matthias Schwab mit -2 auf Platz 19 einreiht. So wird die Tabelle im Zwischenstand von Schauffele mit -11 angeführt, dicht verfolgt vom Mexikaner Carlos Ortiz mit -10. Den dritten Platz (-8) teilt sich Straka aktuell mit Matsuyama, dem Schweden Alex Noren und dem Chilenen Mito Pereira. Dementsprechend ist Edelmetall für den Österreicher noch in durchaus greifbarer Nähe. Collin Morikawa erreichte in der zweiten Runde 70 (-1) und befindet sich in der Gesamttabelle nur auf Platz 25 (-3). Ob er noch an die Spitzengruppe heran kommt, bleibt abzuwarten.

Damen-Einzel folgt Anfang August

Somit sind die ersten beiden der insgesamt vier Runden in Tokio 2020 beendet und die finale Entscheidung wird am 1. August fallen. Das Turnier der Damen hat indes noch nicht begonnen und die erste Runde wird am 4. August stattfinden. Auch hier gibt es drei Topfavoritinnen auf die Goldmedaille, die in dieser Form auch die aktuelle Weltrangliste anführen. Allen voran Nelly Korda aus den USA. Korda ist erst 23 Jahre jung, hat aber bereits acht Turniersiege im Profibereich vorzuweisen. Es folgt die neuseeländische Silbermedaillen-Gewinnerin aus dem Jahr 2016 Lydia Ko, die sich auch dieses Jahr gute Chancen auf Edelmetall ausrechnen darf. Dritte im Bunde ist Park In-bee, die das Gold aus Rio de Janeiro verteidigen möchte und bei großen Turnieren nie zu unterschätzen ist.

So darf sich auf weitere spannende Runden Golf bei den Olympischen Spielen in Tokio gefreut werden. Ob Sepp Straka seine Leistungen bestätigen kann und eine Medaille mit nach Österreich bringt, bleibt abzuwarten. Die Daumen der Landsmänner und -Frauen sind sicherlich gedrückt.

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