Kategorie: Tigerline

Der Größte aller Zeiten

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Je näher Tigers Karriereende rückt, desto hitziger die Debatte: ist er “The GOAT“, “Greatest Of All Times”? Unmöglich zu sagen. Weil per Definition ist diese Frage nicht vor dem Ende aller Zeiten zu beantworten. Warten wir besser noch eine Ewigkeit.

Nein, es geht nicht um den Ziegenbock, wenn Amerikas Golffans debattieren, wer “THE GOAT” sei. Likers und Haters zerstreiten sich an der Frage, ob Tiger Woods der Größte Golfer aller Zeiten ist – oder vielleicht eher Jack Nicklaus dank seiner 18 Majorsiege?

Eine echte Glaubensfrage für jeden Golffan – ist Tiger Woods wirklich die ultimative Lichtgestalt der Fairways und Grüns, angesichts derer selbst ein Ben Hogan oder Jack Nicklaus verblassen?

Ich glaube eher, diese Diskussion ist blanker Unsinn – das brauchen nur wir Golfjournalisten, um Dir tagtäglich neue Superlative auftischen zu dürfen. Das verkauft bunt bedrucktes Papier am Kiosk genauso wie Werbebanner in der Onlinewelt und sichert schreibende Arbeitsplätze.

Auch ein Niki Lauda als zu seiner Zeit Allergrößter der Formel 1 wurde medial bald von Ayrton Senna in den Schatten gestellt. Danach avancierte Michael Schumacher zum “GOAT”, ehe jetzt seine Rekorde von Sebastian Vettel Stück für Stück ausgelöscht werden. Die Halbwertszeit für den Superlativ “für alle Zeiten” wird kürzer und kürzer.

Genauso vergänglich rollt die Kugel im Golfsport. Eine Karriere von Ben Hogan ist mit jener von Jack Nicklaus nicht vergleichbar, schon allein da Hogan ein paar Jährchen durch den Zweiten Weltkrieg verlor. Die 18 Majortitel von Jack Nicklaus wiederum wurden in einer Zeit erspielt, als die Weltspitze bei weitem nicht so eng beinander war wie zu Tigers Zeiten.

Meine Lösung: Machen wir aus “The Greatest of ALL Times” (GOAT) doch besser den “Greatest of THEIR Time“, abgekürzt GOTT. Das löst alle Probleme und passt viel besser.

Sam Snead, der Golf-Gott der 40er-Jahre, gefolgt von Ben Hogan, dem Göttlichen der 50er. Jeweils ein Jahrzehnt später waren Arnold Palmer, Jack Nicklaus und Seve Ballesteros die Godfathers des Golfsports. Heute pilgern die Fans halt zum Schrein des Tiger Woods.

Woods oder auch Nicklaus als den “Größten aller Zeiten” zu betiteln wäre respektlos gegenüber den Leistungen von Hogan oder Snead, die genauso eine ganze Ära prägten.

Der Golfgott möge uns verzeihen, wenn wie ein Vielgöttertum betreiben. Wie es Rory McIlroy unlängst treffend formulierte: der Golfsport braucht eine dominante Figur als Zugpferd für die Medien. Wer wird der grüne GOTT nach der Ära Tiger sein?

von Joachim Widl

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Bernd kein Wintertyp

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Anschluss an die Top 50 im World Ranking verloren! Müssen wir uns Sorgen machen? Nicht wirklich, nach Bernd Wiesbergers bestem Golfwinter der Karriere.

Anfang Dezember klopfte Bernd Wiesberger zuletzt bei den Top 50 der Weltranliste an. Über den Winter fiel er vom 53. auf den 66. Rang zurück und ist wieder mehr als “nur einen Sieg” vom Eliteclub der Golfwelt und damit vom Schlaraffenland der Majors und World Golf Championships entfernt.

Mittlerweile gibts jedoch Jammern auf hohem Niveau unter den Fans, daher höre ich immer öfter: “Woran liegts? Am Putten, an den Nerven, zuviel Druck?”

Ehrlich, ich mache mir zur Zeit keine Sorgen um den Karriereweg des Bernd Wiesberger. Vor allem, nachdem er seinen bislang besten Golfwinter soeben absolviert hat. Zwar waren es “nur” 10,29 Punkte, die er zwischen Dezember 2013 und Februar 2014 für das World Ranking gesammelt hat. Doch das reicht dank des 9. Platzes von Dubai für eine neue Karrierebestmarke.

Oder anders gesagt: Bernd ist kein Wintertyp, die Jahre davor war er noch schlechter, wie folgende Grafik beweist, die seine Performance im World Ranking nach den vier Jahreszeiten seit 2010 aufschlüsselt.
>> Wiesberger WR-Punkte saisonal großes Bild



Seine beste Zeit ist demnach das Frühjahr, wo es in den letzten beiden Saisonen jeweils knapp 40 Punkte Zuwachs gab (= obere Linie in der Grafik). Im Winter gibt es natürlich weniger und kleinere Turniere, die untere Linie zeigt daher den Punktedurchschnitt pro Turnierstart, die aussagekräftiger ist. Aber auch hier die gleiche Tendenz: der Winter ist eine eiskalte, brotlose Zeit für unsere Nummer 1.

Erklärungen dafür sind gar nicht so schwer zu finden. Auch der stärkste Kraftlackel braucht mal eine Phase zur Regeneration und gegen Jahresende war von Bernd klar zu vernehmen, wie ausgepumpt er mental und körperlich nach einer harten Hauptsaison war. Besser kurzer Winterschlaf als golferisches Burnout!

Jene Europäer, die in den Wintermonaten erfolgreich unterwegs sind, haben entsprechend viel Geld in einen Winterstützpunkt investiert. Zuletzt Lee Westwood, den es nach Florida zum Überwintern zog. Auch Martin Kaymer praktizierte das “Go West” Richtung Arizona, dort golferisch angekommen ist er aber noch nicht.

Bernds Wintertraining daheim im Burgenland reichte nicht aus um ohne Rostspuren beim Desert Swing aufzuspielen. Es benötigte zwei Missed Cuts in Abu Dhabi und Qatar, ehe das Werkel in Dubai wieder wie geschmiert lief. Wenn Bernd sein persönliches Winterloch überwinden will, wird kein Weg an Florida, Kalifornien oder ähnlichen Winterquartieren vorbeiführen.

Dennoch macht Wiesberger Fortschritte: die vor zwei Jahren noch klar erkennbaren Schwächen im Kurzspiel hat er mittlerweile weitgehend ausgemerzt. Am meisten fehlt noch das schnelle Anpassen an ungewohnte Platzbedingungen, vor allem fürs Putten. So gesehen war es eine gute Idee, den Abstecher nach Puerto Rico auszulassen, da Karibikgolf nicht wirklich in seinem Standardrepertoir zu finden ist.

Seine besten Golfwiesen liegen klar in Europa und Asien, hier feierte Bernd die größten Erfolge. Für einen “World Player” im Sinne der Top 50 fehlen am Meisten die Ergebnisse auf amerikanischem Boden, wo es aber die fettesten Punkte zu holen gibt. Ein 55. Platz beim Bridgestone Invitational 2012 ist von seinen 5 Abstechern nach Amerika bereits das absolute Highlight.

Was Bernd jetzt am Meisten braucht, ist Turnierpraxis, endlich mehrere Wochen am Stück zu spielen. 8 Turniere in Südafrika wären so eine Gelegenheit gewesen, die er jedoch nicht nützte. In den 9 Wochen nach Dubai teet er nur bei 5 Turnierrunden auf (1x Match Play Championship, 4x Marokko), so kommt man nicht ins Laufen.

Also heißt es weiter Warten, Trainieren und gelegentlich spielen, bis Mitte April. Dann blüht er hoffentlich wieder in Asien und danach in Europa wie gewohnt auf.

von Joachim Widl

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Wir sind Golfbotschafter

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Die Golffamilie Österreich schrumpft langsam aber stetig: ist der grüne Sport abgelutscht und nicht mehr trendy? Aber noch haben wir fast 100.000 Golfbotschafter, die das ändern können – Dich!

Mit einem Minus von 737 Golfern weist die ÖGV-Statistik 2013 erstmals ein Schrumpfen der heimischen Golffamilie auf. Zwar tummeln sich offiziell noch 103.999 Mitglieder in den 156 Golfanlagen: aber es sind nur noch 9.497 Jugendliche, um 1.224 oder 11 % weniger Golfer unter 21 Jahren als vor drei Jahren.

Spricht man Golfclubs und ÖGVler darauf an, hört man, das sei das nur die Spitze des Eisbergs: rechnet man ruhende- und Zweit-Mitgliedschaften heraus oder berücksichtigt den Trend, dass aktive Golfer immer weniger Zeit für ihren Sport neben Beruf und Familie finden – dann heißt es unisono – Houston, we have a problem!

Vorbei sind die goldenen Zeiten, als sich Golf zum fünftgrößten aktiv ausgeübten Sport in Österreich mauserte und massenweise Tennisspieler und Fussballer den kleinen weissen Ball als Alternative entdeckten. So mancher Golfer, der sich in Viererflights 6 Stunden über seinen Golfplatz staute, ächzte verzweifelt: “Jetzt wo alle Proleten am Golfplatz sind, kann ich endlich wieder auf den Fussballplatz gehen…”

Teures Werbegeld sowie engagierte Ideen wie “Hello Juniors” haben den Trend nicht gestoppt – also sind Du und ich jetzt dran, den Golfsport zu retten!

Wir haben in Österreich gut und gerne 90.000 funktionerende Erfolgsrezepte, die Menschen auf den Golfplatz brachten – Dich, mich, den und die da – uns alle. Wieso diese größte “Waffe” nicht einsetzen? Irgendetwas war Dir und mir einmal so wichtig, dass es uns zu Hölzern und Eisen greifen ließ.

Warum verwenden wir nicht dieses größte Kapital um Freunde, Bekannte mit der eigenen Golf-Erfolgsgeschichte zu begeistern?

Ich mag überhaupt nicht mit gutem Beispiel vorangehen, aber ich mach’ mal eine Ausnahme.


Juli 1993, als gelangweilter Single buche ich mit meinem Tennis-Racket einen Urlaub im Club Med von Da Balaia an der Algarve. Wetter toll, Essen gut, Animateure etwas nervend.

1. Tag, Vormittag: 1. Runde des Gäste-Tennisturniers. Ich verliere 0:6, 0:6. Nach einer Stunde ist mir erstmals langweilig.

1. Tag, Nachmittag: Hoffnungsrunde für die Verlierer vom Vormittag: 0:6, 0:6, mir ist um 15 Uhr schon wieder langweilig.

2. Tag Vormittag: Mein Tennisracket wird das Zimmer nicht mehr verlassen, am Info-Board in der Lobby wird alternativ angeboten: Tretbootfahren, Boccia und als dritte Möglichkeit etwas ganz skuriles: G.O.L.F. Kostet nix, All inclusive, das probiere ich mal.

2. Tag Nachmittag: mit 5 ebenfalls gescheiterten Tennis-Nieten treffen wir einen sehr norddeutschen Pro auf der hoteleigenen Driving Range. Jeder bekommt ein abgenudeltes Wedge in die Hand gedrückt, darf ein paarmal draufhauen.

Der Pro sagt: “Das ist ziemlich blöd, was? Ich zeig Euch lieber was cooles, dreht euch alle mal 180 Grad um.” Wir blicken auf einen 10 Meter entfernten, gut 8 Meter hohen Maschendrahtzaun. Der Pro teet hoch auf, nimmt den Driver und fragt: “Glaubt ihr, dass ich da drüber komme?” Ungläubiges Kopfschütteln.

“Na gut, glaubt ihr, dass ich die 200 Meter entfernten Häuser am Hügel treffen kann?” Wir lachen ihn aus. Er zieht voll mit dem Driver durch, der Ball zischt locker über den Zaun und verfehlt nur knapp ein Hausdach in weiter Ferne. “Wenn ihr das auch wollt, dann strengt Euch an.”

Einen Golfball im Abflug zu “hören”, über 200 Meter weit zu schlagen, das wurde zu meinem Golfvirus. Vom Urlaub kam ich bereits mit eigenen Golfschlägern heim, suchte sofort einen Club, machte die Platzreife und spielte noch im Herbst meine ersten 26 Golfrunden.


Ja und noch etwas – WIR sind Golf!

von Joachim Widl

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Golfregel-Hoppalas

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Unsere Golfhelden sehen oft wie Platzreifeschüler aus, sobald sie in die Wicken schiessen und den Referee rufen. Vor allem Tiger, Rory und Sergio ecken scheinbar dauernd bei den Golfregeln an.

Sind es die Golfregeln oder die Unkunde seitens der Spieler, die ihnen und uns Fans zuletzt so viele Golfturniere vermiesen? Rory McIlroy kosten zwei nachträglich aufgebrummte Strafschläge in Abu Dhabi den Sieg, Tiger Woods kam gleich zweimal ähnlich teuer weg, vor allem beim Masters markierten Strafschläge das Ende seiner Titelambitionen.

Wie kompliziert eine überschaubare Anzahl von 34 Golfregeln in der Praxis sein können, wissen wir alle aus leidvoller Erfahrung. Aber wieso sehen millionenschwere Golfstars wie Vollpfosten bei der Platzreifeprüfung aus, wenn sie einen Standard-Drop mit genauer Anweisung des Referees ausführen sollen? Unsere Golfhelden sind plötzlich sehr menschlich – vielzu menschlich!

Natürlich kennen Pros und auch ihre Caddies die Golfregeln weit besser als wir Hobbyspieler. Aber der Beobachtungsdruck bei einem Turnier, wo es um Millionen und Karriere geht, ist halt ein anderer.

Es ist der Technologiewahnsinn der TV-Stationen, die den Spielern zusetzt. Ein im Rough oder am Grün “oszilierender” Ball sieht mit digitalem Superzoom gefilmt im Wohnzimmer anders aus als für den Spieler am Platz mit bloßem Auge. Wenn vor allem bei Topstars wie Tiger jeder Atemzug klinisch gemessen, jeder Golfschlag statistisch seziert und zuletzt sogar jeder Schritt samt Kalorienverbrauch gemessen wird, kann das an den Spielern nicht spurlos vorbeigehen.

Während die meisten Golfpros ziemlich unbemerkt über die Runde kommen, ist bei den Topstars jedes kleinste Detail im Bild und führt zu Anrufen Hunderter Besserwisser oder Vernaderungen durch eifersüchtige Spieler und Caddies, die vermeintliche Regelverstöße melden. Alles natürlich nur im Interesse des sauberen Sports…

Wenn dann nachträglich, sozusagen auf der grünen Wiese, Ergebnisse mit Strafschlägen korrigiert werden, ist das ganz schlecht für den Sport. Wir alle wollen “live” mitfiebern, ein Score als endgültig abhaken, wenn der Spieler zum 18. Mal eingelocht hat und nicht Stunden später korrigierte Leaderboards erleben.

Das Problem sind nicht die Golfregeln, sondern die gelebte Golfregel-Kultur. Jedes Regelwerk einer Sportart ist von allen als ultimativer Massstab für den Wettbewerb vorbehaltlos zu respektieren, auch wenn es in Einzelfällen noch so ungerecht oder unangebracht erscheint. Es gilt ja in dieser Form für alle gleich. Punkt, aus, Ende!

In der jetzten Golfregel-Unkultur wird ein Tiger Woods von manchen Journalisten in den Dunstkreis der Schummelei gestellt, nur weil halt öfters “irgend etwas war”. Dabei spielt es keine Rolle, dass es vielleicht nur um Unkenntnis ging, aber kein Fehlverhalten vorzuwerfen ist. Etwas bleibt hängen.

Genauso wenig kann es sein, dass ein Sergio Garcia oder Rory McIlroy als Schummler oder Idioten hingestellt werden, nur weil sie sich auf einem von Tausenden Golflöchern, die sie pro Jahr spielen, ein wenig ungeschickt verhalten haben.

Der Sport, seine Stars und die Faszination geiler Golfschläge muss wieder im Vordergrund stehen und oszilierende Golfbälle und ähnlicher Schwachsinn in den Hintergrund treten.

Eine Lösung wäre: im Golf sollte das Gleiche gelten wie bei einer Hochzeit – jetzt sprechen oder für immer schweigen! Genauso sollten Strafschläge oder Disqualifikationen spätestens bis zum letzten Loch ausgesprochen werden, das beim Recording beglaubigte Score dann aber endgültig sein, komme danach was wolle.

Bei Turnieren mit Fernsehübertragung sollte in jedem Flight ein Referee dabeisein, wie auch beim Ryder Cup oder bei Majors, damit strittige Situationen sofort und endgültig gelöst werden. Die Authorität von Referees sollte gestärkt werden, Spieler nicht bei Turnieren eine “zweite Meinung” einholen dürfen oder peinliche Rückfragen beim “Chief Referee” per Funk passieren.

Wenn Tours, Spieler und Referees nicht schleunigst einen gemeinsamen Nenner finden, der die unendliche Geschichte an Regel-Hoppalas vor laufenden Kameras beendet, werden es Sponsoren und Fans strafen. Wer will das?

von Joachim Widl

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Bernd und sonst nix?

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Österreichs Beitrag zur Golfwelt reduziert sich aktuell auf Bernd Wiesberger. Wird im Nachwuchs so schlecht gearbeitet oder was ist los in der Talentschmiede?

Österreich brachte zuletzt beim World Cup of Golf kein Zweier-Team mehr zustande, da nach “Olympia-Qualifikationskriterien” gespielt wird. Um Österreichs Golffarben gemeinsam mit Bernd Wiesberger hochzuhalten, hätte ein zweiter Spieler rund um Platz 200 bis 300 im World Ranking aufscheinen müssen. Bacher, Steiner, Prägant, Wiegele und Co. rangieren jedoch in Untiefen zwischen 900 und 1400…

Hatte Golfösterreich mit Brier / Wiegele als >> 5. beim World Cup 2004 seine Sternstunde, die nur alle 100 Jahre wiederkommt? Nehmen unsere Pros das verfassungsmäßig garantierte Recht in Anspruch, schlecht Golf spielen zu dürfen, so wie wir Wochenendhacker auch?

Wodurch ist der Rückfall zu erklären? Eine Golferin des Jahres kann man seriöserweise in Österreich nicht einmal mehr küren, weil es keine zählbaren Ergebnisse auf Erstliganiveau gibt, wie es die >> Austrian Order of Merit gnadenlos widerspiegelt.

Der ÖGV ist diesmal nicht schuld! Die Ex-Präsidenten Goess-Saurau und Wittmann haben mit großem Herz für den Spitzensport in den letzten 20 Jahren gegen große Widerstände jene 500.000 bis 1 Million Euro pro Jahr freigeschaufelt um vernünftige Strukturen zu betreiben. Auch Forsbrand / Jendelid sind so ziemlich die Idealbesetzung, die wir finden konnten. Wer das nicht glaubt, soll einmal zuhören, mit welcher Hochachtung praktisch alle heimischen Pros von diesem Duo sprechen.

Geld ist da, Personal auch, nur kaum Nachwuchs. Wenn Niki Zitny und Fred Jendelid ein Dutzend Namen als Kader-Optionen wälzen, während ihre Kollegen aus Spanien, Frankreich und England aus dem Zwanzigfachen schöpfen, hört sich der Spaß auf.

Österreichs Golfsport trifft gnadenlos das “Gesetz der großen Zahl”, im Volksmund am Treffendsten dahingehend übersetzt – “mit voller Hose ist leicht stinken”. Wenn jährlich weltweit Tausende Golftalente reifen, nur zwei, drei davon aus Österreich kommen, ist das für uns gar nicht gut.

Was sich in den letzten Jahren dramatisch geändert hat, ist die Leistungsdichte. Dazu reicht ein Blick auf Challenge-, Alps- und EPD Tour wie eng nach zwei Tagen die Differenz zwischen Platz 1 und Cut geworden ist.

Österreichs wenige Pros messen sich heute mit fünf- bis zehnmal so vielen Kontrahenten auf vergleichbarem Level. Es ist wie ins Casino zu gehen, wo das Rouletterad auf einmal Fächer mit Zahlen zwischen 0 und 360 aufweist. Zwar haben unsere Spieler weiterhin Woche für Woche die Chance, dass die Kugel auf sie fällt, nur liegt die Wahrscheinlichkeit plötzlich bei 1:361 statt 1:37.

Oder anders gesagt: wir sind nicht schlechter geworden, die anderen aber besser. Das gilt auch für die Spitze. Bernd Wiesberger erreichte heuer seine Million Euro Preisgeld auf der European Tour mit einem Score Average von 70,24 – im Vorjahr schaffte er das gleiche Einkommen mit 70,87 – was für zwei Siege reichte, heuer für keinen auf der ET. Österreichs Nummer 1 musste somit ein viel besserer Golfer werden nur um seine Position zu halten.

Was heißt das für die Zukunft? Österreich kann sich nicht darauf verlassen, dass selbst bei optimaler Arbeit von Verband, Trainern und Talenten automatisch die Tourspieler nachtröpfeln und die ersten Ligen in Europa und sonstwo bevölkern werden.

Sorgen macht vor allem die vielfach vorhandene Weichei-Einstellung unserer Wohlstands-Kids. Wir werden mehr denn je abhängig sein von Glücksfällen wie einem Matthias Schwab oder Lukas Nemecz, die neben dem geforderten Talent auch die notwendige Härte zu sich selbst und zu den Anderen im Turnier mitbringen. Bis dahin liegt alles auf Bernds breiten Schultern.

von Joachim Widl

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Trollige Fans

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Mit dem Erfolg kommen die Fans – und Social Media gibt ihnen eine Stimme. Aus anfangs “drolligen” Followern werden bald “trollige”, wie Golfstars schmerzvoll lernen. Tiger, Rory & Co als verbales Freiwild.

“Ich pfeif auf die Medien, die eh nur bös über mich schreiben und pflege lieber meine Fans auf Facebook und Twitter,” so die Logik vieler Sportstars weltweit. Meine “Friends & Follower” mögen mich ja, sonst würden sie mir nicht ins Social Web folgen und außerdem kann ich so die Kommunikation besser steuern, aus meiner eigenen Karriere-Sicht heraus.

So ähnlich dachte ich vor Social Media-Zeiten auch und rief 2004 ziemlich naiv den Golf-Live Talk ins Leben. Nur: in einem Golfforum eine akzeptable Gesprächskultur aufrecht zu halten und immer raffiniertere Spamattacken abzuwehren ist zeitlich so aufwendig, dass Golf-Live gleich gänzlich darauf verzichtete, eine eigene Facebook-Seite zu betreiben und das nie bereut hat.

Golf-Pros auf Facebook laufen Gefahr, einen “Hate-Storm” im falschen Zeitpunkt zu erwischen und ausgerechnet während eines Turniers stundenlang die eigene Facebook-Seite mühsam säubern zu müssen – alles schon passiert…

Lee Westwood hat mich leider nicht gefragt, ob es eine gute Idee ist, einen Twitter-Account zu eröffnen. Nach Erreichen der stolzen Marke von 570.000 Followern wurde bei ihm die “kritische Troll-Masse” erreicht. Angriffsflächen bietet der noch majorlose Westy genug und entsprechend gnadenlos spielte es sich bei Twitter ab. Im August schlug Lee verbal zurück und beschimpfte die “Girly Boy Trolls” einmal so richtig (>> ITV-News)

Die verbale Schlammschlacht dauerte 24 Stunden ehe Sponsoren und PR-Leute den armen Lee wieder im Zaum hatten. Rory McIlroy, Ian Poulter & Co, bekamen ebenfalls ihr Fett ab. Klüger gemanagt wird da Tiger Woods, der lieber PR-geföhnte Twitter-Postings (nicht selbst) absondert und nur Diskussionen in “kontrollierter Umgebung” zulässt. Was ihm das nützt, ist täglich beim Golfchannel an oft über 1.000 Leserkommentaren nachzulesen – die Admins kommen mit dem Löschen und Sperren von Accounts nicht schnell genug nach. Die Schlacht zwischen Tiger-Likers und Haters tobt dort üblicherweise nach jeder Turnierrunde ungehemmt und unzensuriert.

Vielleicht betrachten abgeklärte Stars deshalb Teile ihres fürstlichen Lohns als Schmerzensgeld. Wenn Lindsey Vonn oder Caro Wozniacki ihr Liebesleben geheim halten wollen, sollen sie sich doch nächstes Mal einen Regalschlichter im Supermarkt anlachen, dann interessierts keinen. Selber schuld, so die landläufige Meinung.

Das Problem sind nicht abgehobene Stars oder goscherte Fans, sondern explosionsartig und zügellos wie Hedge Fonds gewachsene soziale Medien, die sich nur nach Marktgesetzen entwickeln. Sie bieten eine ideale Spielwiese für “Trolle”, die naiv und emotional Dampf ablassen, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein.

Vor allem die Smartphone-Generation wird schmerzvoll lernen, dass sie unverwischbare Spuren im Internet hinterlässt. Jedes Hate-Posting von heute ist für alle Ewigkeit gespeichert und kann vielleicht 50 Jahre später gegen sie verwendet werden. In letzter Konsequenz kann dies alle Chancen in Beruf und Gesellschaft kosten. Spätestens seit Mister Snowden sollten Trolle wissen: es gibt keine Anonymität in der digitalen Welt

So wie man sein “Idol” auch nicht von Angesicht zu Angesicht beschimpfen würde, sollte es auch mit der Waffe “Smartphone” unterlassen werden. Die Celebrities dieser Welt sind vielleicht zu bedauern, aber schützen müssen wir vorrangig unsere eigenen Kinder vor Cyber-Bullying, die das gleiche Troll-Schicksal tagtäglich in der Light-Version erfahren.

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Plan B – Tourschool?

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Müssen alle außer Bernd zur Tourschool – schon wieder? Weil Plan A (gut spielen, Geld verdienen, aufsteigen) über die Saison betrachtet nicht aufging. Wird Plan B (Tourschool) jetzt die Karriere retten?

Nur Top 10-Ergebnisse machen auf der Profitour das Kraut fett – bringen ausreichend Preisgeld um davon leben zu können, verteidigen das Spielrecht fürs nächste Jahr oder (noch besser) führen in die nächsthöhere Liga. Die Latte dazu liegt aber verdammt hoch: 9 unter Par reicht im Schnitt für die Top 10 auf der European Tour. Noch ein wenig tiefer (-9,25) muss man statistisch gesehen auf der Challenge Tour schiessen.

Sind Österreichs Playing Pros mit Ausnahme von Bernd Wiesberger nicht gut genug? So ist es, sagt knallhart das World Ranking, wo sonst keiner mehr unter den Top 800 zu finden ist. Aber schaun wir uns die Jungs mal genauer an. Hier ihre durchschnittlichen Rundenscores heuer und wo sie damit auf ihrer angestammten Tour im Ranking gelandet sind (Stichtag 12.9.2013:)

Spieler
Score-Schnitt
Ranking Tour
Bernd Wiesberger
70,61
36. ET
Martin Wiegele
73,09
197. ET
Markus Brier
72,40
216. ET / 108. CT
H.P. Bacher
72,39
118. CT
Roland Steiner
69,67
78. CT
Manuel Trappel
70,43
97. CT
Florian Prägant
72,50
153. CT
Jürgen Maurer
72,77
169. CT
Uli Weinhandl
70,36
8. ALPS
Lukas Nemecz
70,65
7. ALPS
Leo Astl
72,65
8. PGT
Philipp Fendt
72,48
42. PGT
Berni Reiter
73,14
27. PGT
Bernard Neumayer
72,82
38. PGT
Joe Steiner
73,20
46. PGT
Christoph Pfau
73,68
53. PGT
Wolfgang Rieder
72,81
69. PGT

Bei den Herrschaften mit schwarzem Scoredurchschnitt, also über Par, gibt es nur zu sagen: das Jahr 2013 ist bislang ein “Satz mit x”, das war wohl “nix”. Einzige Ausnahme Leo Astl, der aber zu unbeständig spielte. In der Preisgeldarithmetik der Pro Golf Tour sind selbst zwei Siege alleine zu wenig.

Interessanter sind die “5 Roten”. Roland Steiner ist mit 69,67 Schlägen Durchschnitt bei 38 Runden der Neuntbeste auf der Challenge Tour – aber nur 78. im Ranking! Jose-Filipe Lima, aktuell die Nummer 1 auf Europas Nachwuchstour, spielt mit 69,87 Schnitt sogar schlechter als Steiner. Auch Manuel Trappel (70,43) spielt eine Supersaison, ist im Ranking aber noch hinter Steiner. Wie gibts das? Beide durften nur 9 Turniere spielen und haben ihre besten Runden zum falschen Zeitpunkt abgefeuert.

Die geforderten tiefen Runden schüttelten auch Luki Nemecz (70,65) und Uli Weinhandl (70,36) auf der Alps Tour aus dem Ärmel. Da sie dort volle Saisonen spielen und mit tiefen Runden zum rechten Zeitpunkt punkteten, sind sie im Ranking entsprechend weit vorne. Wie gnadenlos konkurrenzfähig die Alps Tour geworden ist, beweist, dass dennoch beide sicherheitshalber bei der Stage 1 der Tourschool antreten mussten, weil das Challenge Tour-Ticket noch unsicher war.

Dabei sein und brav im Mittelfeld mitspielen, das reicht nicht mehr für ein verdienstvolles Leben auf der Tour. Der professionelle Golfzirkus will Siegertypen sehen. So wie den Amerikaner Brooks Koepka, der ein paar Einladungen für die Challenge Tour bekam, drei Siege abstaubte und kurze Zeit später auf der European Tour und bei der British Open spielte.

Der Preisgeld-Breakdown ist daher so zugeschnitten, dass nur Siege den großen Wurf bringen und Top 5-Ergebnisse wirklich im Ranking weiterhelfen. Nur wer knallhart zuschlägt, wenn es um die Wurst geht, kommt weiter. Und das geht so:

1. Schritt: ein golferisches Komplett-Paket zusammenbringen um einen Rundenschnitt von ca. 70 Schlägen oder besser zu stemmen.

2. Schritt: geduldig auf die “guten Wochen” warten, wo es läuft und man am Sonntag auf den letzten 9 Löchern um den Sieg mitspielt.

3. Schritt: spätestens im dritten oder vierten Anlauf voll zuschlagen mit Sieg oder zumindest Top 3.

4. Schritt: Wiederholung bitte, mit dem Selbstvertrauen eines Siegers.

So schafften Bernd Wiesberger oder Thorbjorn Olesen und Nicolas Colsaerts den großen Karrieresprung, Brooks Koepka, Peter Uihlein und Tommy Fleetwood folgten.

Ob das alles mit Plan A oder B gelingt, ist letztlich Nebensache. Die Tourschool wird viel zu wichtig genommen, sie bringt maximal eine Tourkarte, aber noch keinen Erfolg. Vor allem für junge Spieler eine Bürde, wie man bei H.P. Bacher und Marina Stütz gesehen hat. Tourkarte heißt: hohe Reisekosten, die nur teilweise durch Sponsoren abgedeckt sind, verbunden mit dem Druck, in einer höheren Liga Topergebnisse abliefern zu müssen. Mehr als zwei Drittel der Tourschool-Qualifikanten scheitern daran.

Der Erfolg verlangt zuerst “Knochenarbeit” (Schritt 1) und dann “Kopfarbeit” für Schritt 2 bis 4. Und zuletzt die gute Nachricht: solange die Gesundheit mitspielt, steht dem Golftalent ein Zeitfenster von 15 bis 20 Jahren zur Verfügung, wo mit jeder neuen Turnierwoche die nächste Chance kommt.

Das Beste: Golf kennt keine Preisrichter, keine Haltungsnoten, nur die nackte Score-Wahrheit, die man weder schönrechnen noch schönreden kann. Alle beginnen bei Even Par, haben 14 Schläger im Bag und die Übung heisst: möglichst effizient 72 Mal einlochen. Das ist Plan A.


von Joachim Widl

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Tigers Major-Angst

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Wer sich bei den Turnieren nur die Rosinen herauspickt, dem schmecken die hantigen Major-Kurse besonders bitter. 5 Gründe, warum für Tiger Woods die Trauben bei Majors immer höher hängen.

16. Juni 2008: Österreichs Kicker unter Teamchef Josef Hickersberger verlieren bei der Heim-EM im Ernst Happel-Stadion mit 0:1 gegen die Deutschen. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer muss den SPÖ-Vorsitz abgeben und US-Präsident Georg W. Bush ist zu Besuch bei Angela Merkel in Deutschland.

Ach ja, und noch etwas: Tiger Woods gewinnt seinen 14. und bislang letzten Major-Titel bei der US Open, nicht gerade zufällig auf der Hauswiese von Torrey Pines.

Seit exakt 1.882 Tagen wartet Tiger Woods auf Majortitel Nummer 15 um dem Allzeitrekord von Jack Nicklaus mit 18 Erfolgen näherzurücken. Nach der neuerlichen Pleite von Oak Hill heißt es weitere 245 Tage bis zur nächsten Chance warten – und die biologische Uhr tickt für den dann 38-jährigen immer schneller. Wahrscheinlich bereut es Tiger mittlerweile, dass er selbst die Anzahl der Majortitel als Messlatte dafür gewählt hat, wer der Größte aller Zeiten ist…

Dabei ist aus Sicht der Tiger-Fans eh wieder alles paletti. 5 Saisonsiege und klare Nummer 1 im World Ranking, nachdem sich der logische Nachfolger Rory McIlroy für einige Zeit von der Liebe und dem Millionärsleben konsumieren lässt. Wieso klappt es aber bei den Majors für Tiger nicht? Mir fallen zumindest 5 Gründe ein.

1. Major-Setups zu schwer: 15 Jahre lang hat Tiger die Turnierveranstalter in Amerika dazu erzogen, sein Lieblings-Setup bezüglich Rough (wenig) und Grüns (schnell) aufzulegen – oder er startet nicht. Logische Folge: er gewinnt im Wesentlichen immer die gleichen Lieblingsturniere mittlerweile zum 7., 8. Mal. Tigers Pech sind die Majors: Weder die sturen Herren von Augusta, noch die USGA, R&A oder US PGA braten für Herrn Woods eine Extrawurst.

2. Defensiv erzeugt Defensive: der für sein geniales Course-Management und das “Denken über den Golfplatz wie ein Schachweltmeister” gepriesene Woods ging rückblickend betrachtet bei den Majors zu defensiv zu Werke. Beispiel British Open: Wer sich nur lange Schläge auf knochenharte Links-Grüns überlässt, kommt nicht nah genug zu den Fahnen. Eine defensive Grundhaltung killt im Unterbewusstsein die geforderte Siegermentalität. Ein Gewinnertyp attackiert, hat es nicht nötig zu verteidigen.

3. Nicht seine Grüns: Besonders lautstark war das Jammern über wechselnde Green-Speeds zu vernehmen. Ist aber nichts Neues bei Majors, hat Tiger früher nicht am Siegen gehindert. Da spielt schon eher eine Rolle, dass bei längeren Annäherungen oder Attacken aus dem Rough die Birdieputts automatisch länger wurden.

4. Angst vor dem Scheitern: die neue Tour-Generation hat keine Angst mehr vor Tiger am Sonntag auf den letzten 9 Löchern, jetzt ist es eher umgekehrt. Beim heurigen Masters und der British Open war eines sehr auffällig: bei beiden Turnieren war Tiger solange gut unterwegs, bis er die Führung übernahm. Ab diesem Zeitpunkt zerfiel bei beiden Turnieren sein Spiel, weil Woods den Sieg “auf der letzten Rille spielend” erzwingen wollte.

5. Wehwechen zwicken: Das Alter geht auch nicht spurlos an Tiger vorbei. Die öffentlich bekannten Wehwechen zwingen den 37-jährigen zu Pausen und verhindern ein Antreten in gefühlter Bestform. Schon Nicklaus und Palmer mussten feststellen, dass die Präzision beim Putten (Tigers mit Abstand wichtigste Waffe) mit dem Alter langsam verloren geht. Zudem halten sich hartnäckige Gerüchte über weitere gesundheitliche Probleme.

Ein Tiger wie wir ihn früher kannten, hätte 2013 das Masters und die British Open gewonnen, indem er am Samstag die Führung ausgebaut und am Sonntag den Triumph im roten Shirt nach Hause gespielt hätte. Der Tiger von heute dagegen verkrampfte sobald er die Siegchance hatte und zitterte sich weg wie früher reihenweise seine Kontrahenten.

Die beste Diagnose, ob Tiger noch Nicklaus’ Major-Rekord knacken kann, stellte Arnold Palmer: “möglich, aber zunehmend fraglich.” Exakt mit jedem verstrichenen Major noch ein Stück fraglicher.

Die endgültige Anwort könnte 2014 gegeben werden: auf drei der anstehenden vier Major-Schauplätze hat Woods bereits gewonnen und der Vierte – Pinehurst, Schauplatz der US Open – wird kein fettes Rough auftischen. In Pinehurst erreichte er bereits zweite und dritte Plätze. Also “tigerfreundlicher” als 2014 können Majors in seiner Ära nicht mehr werden.

von Joachim Widl

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Und Tschüss …

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Wer kann, kehrt Europa den Rücken. Die European Tour wird zur zweiten Liga und hat das Match gegen die US PGA Tour längst verloren. Die Geldgier spielt dabei nicht einmal die Hauptrolle.

Die Rede ist von Europas Ausnahmetalenten wie Matteo Manassero, Thorbjorn Olesen oder Nicolas Colsaerts – die auf den Spuren von Rory McIlroy unterwegs sind. Nur noch für absolute Topevents fliegen sie zurück nach Europa und haben als ihre Hauptbühne längst die US PGA Tour gewählt.

In den Top 50 der Weltrangliste gibt es keinen einzigen Spieler, der nicht zumindest fallweise um US Dollar statt um Euros kämpft. Selbst Leute wie Lee Westwood, die aus ihrer Abneigung gegen die amerikanischen Golfwiesen kein Hehl machen, haben mittlerweile klein beigegeben.

Und der Nächste wird wohl ein gewisser Bernd Wiesberger sein, vielleicht 2014?

Der 23-jährige Däne Olesen ist das Paradebeispiel dafür, warum die European Tour bereits heute nur die 2. Liga ist. Im Vorjahr kämpfte Olesen noch in Atzenbrugg mit Wiesberger um den Siegerscheck, verlor zwar dieses Duell, rutschte aber mit einer Serie von Topergebnissen unter die Top 50 im World Ranking.

Danach klopfte Nike bei ihm an – mit einem Angebot, zu dem man nicht nein sagen kann. Einzige Bedingung: Thorbjorn muss zum Rauchen aufhören. Ein Lebenswandel wie Tiger Woods ist kein Problem, aber blauer Dunst? Das geht in Amerika gar nicht!

Der Sprung unter die Top 50 der Welt bescherte Olesen ein Ticket für das US Masters, wie es Wiesberger knapp verfehlte. Ein 6. Platz in Augusta ließ Dänemarks Jungstar genug Preisgeld scheffeln um von der US PGA Tour als “Special Temporary Member” aufgenommen zu werden, wie übrigens auch Gonzalo Fernandez-Castano.

Willkommen im Golferparadies! Mit einer US Tourkarte verbunden sind automatische Sponsorverträge im Wert von ca. 300.000 US Dollar, das deckt mehr als nur die Grundkosten für eine Saison ab. Die Preisgelder pro Woche betragen das Doppelte bis Dreifache gegenüber Europa. Der 50. in der US Order of Merit wäre zur Zeit im Race to Dubai an 3. Stelle, so schauts aus.

“$$$$$” mögen ein Hauptmotiv sein, vor allem für das Management der Spieler, das prozentuell verdient, aber noch entscheidender ist die sportliche Komponente. Ein Vollblutgolfer will sich mit den Allerbesten messen – und die trifft er nur in Amerika oder bei der British Open. Turniersiege bringen am neuen Kontinent 36 bis 100 Weltranglistenpunkte, in Europa sind es üblicherweise 24 Punkte. Wer es also in den Eliteclub der Top 50 der Welt geschafft hat, muss fast zwangsläufig nach Amerika um die WGC-Events, die Majors, die FedExCup-Finali und die Players zu spielen – schon alleine um seine Position zu verteidigen.

Nur zwei, drei Ausnahmetalente aus Europa schaffen es pro Jahr an die goldenen Preisgeldtöpfe in Amerika, meistens über die Top 50 der Welt – die heißeste Aktie in Europa für das nächste US-Ticket – ist zur Zeit Bernd Wiesberger.

von Joachim Widl

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Pfeif auf die Trainer!

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Golf ist wie Radfahren. Wennst es einmal kannst, bleib den Trainern fern und lass Dir nicht den Schwung ruinieren. So lautet das Rezept von Altmeistern wie Markus Brier oder Steve Stricker – im Ernst?

Das Todesurteil vieler erfolgreicher Golfkarrieren wird mit dem Wort “Schwungumstellung” unterschrieben. Oder mit “Krafttraining”, sehr beliebt auch “Mentaltraining” – oder ganz beliebt seit Ernie Els: “Augentraining”!

Ich meine dagegen: Bälle klopfen wie ein Duracell-Bunny unter den strengen Augen des Trainers, das brauchen Newcomer und verwöhnte Papasöhnchen. Für bereits Jahrzehnte geschundene Gelenke und Bandscheiben ist die Roßkur vielleicht nicht ganz so gut.

Rückblick in das Jahr 2007: Markus Brier erklimmt nach der China Open den Zenith seiner Karriere, wird 32. der Euro-Jahreswertung und knackt als erster Österreicher die Top 100 im World Ranking. Zeit um sich neue Ziele zu stecken: die Top 50 im World Ranking und damit automatische Majorteilnahme samt aller fürstlicher Annehmlichkeiten im Golferleben.

Einige Einflüsterer meinen: ja, aber nicht mit diesem Golfschwung: Markus hält den Kopf nicht ruhig und ist einfach zu kurz vom Tee. Kraftkammer und Schwungumstellung sollen es richten, zerstören statt dessen die Grundsicherheit in seinem Spiel und läuten eine bittere Karriere-Talfahrt ein, bis jenseits der Top 700 im World Ranking samt Verlust der Tourkarte. Nur wenige sehen rechtzeitig die Gefahr. Ich erinnere mich wie Caddie Max Zechmann, der immer loyal zu Markus stand, mir gegenüber 2008 in Fontana sehr kryptisch andeutete: “Ich glaube, wir waren extrem glücklich bedient mit den Ergebnissen 2006 und 2007. Jetzt sind wirs halt nicht mehr.”

Am Tiefpunkt angelangt, im Herbst 2012, konstatierte Markus entwaffnend offen: “Zu viele bewegliche Teile an meinem Körper.” Im Winter gibt er den Kampf mit der Schwungtechnik auf und postuliert als neue Parole: “Back to the Roots!” Das Vertrauen auf das eigene Können, das Abrufen alter, guter Schwunggefühle und Gedanken, komplett die Technik ausblenden und einfach frei schwingen.

Erstmals klappt dies heuer bei der China Open und selbst bei Mörderkälte und Wind auf Madeira. Brier spielt insgesamt 8 solide Golfrunden am Stück zwischen 68 und 73 Schlägen und findet langsam wieder Vertrauen in seine alten Tugenden. So wie Goosen, Els oder Stricker bekommt das Familienleben Vorrang: weil man sieht die eigenen Kinder nur einmal heranwachsen. Statt mit der European Tour nach Marokko gehts mit der Familie in den Osterurlaub.

Sich rar zu machen, weniger zu trainieren und der eigenen Klasse vertrauen, das zeigt Steve Stricker erfolgreich wie kein Anderer aus der Ü40-Generation vor. Als Teilzeit-Pro ist der Evergreen so stark wie noch nie.

Das andere Extrem ist Padraig Harrington, der nach drei Major-Titeln ein noch besserer Golfer werden wollte und sich auf der Suche nach dem goldenen Golfschwung arg verirrte. Von den Spielern als unerschöpfliche Wissensquelle über Technikgedanken verehrt, hat er jedoch selbst das Siegen verlernt.

Dabei geben doch neue Schlägertechnologien auch den alten Herren 20, 30 Extrameter. Trainingshilfen a la Trackman, unterstützen den Erfolgstrend: wenns läuft, pfeif auf die Trainer. Wenns nicht läuft, dann erst recht!

von Joachim Widl

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