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(Lost) Road to Rio

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Ist die Absage von Scott, Oosthuizen, Schwartzel, Jimenez und Singh für Olympia vielleicht nur die Spitze des Eisbergs und droht Rio 2016 golferisch zu floppen?

Zika-Virus, Reisestress, Unruhen in Brasilien und prominente Absagen im Vorfeld: die triumphale Rückkehr von Golf als Olympia-Sportart hat zuletzt arg an Strahlkraft verloren. Floppt gar das Olympia Golfturnier von Rio?

Was Adam Scott, Louis Oosthuizen, Charl Schwartzel, Miguel-Angel Jimenez und Vijay Singh gemeinsam charakterisiert: sie alle gelten als “trendresistente Selbstdenker”, die keine PR-Berater oder Manager brauchen um ihre Entscheidungen zu treffen. “Off the records” hört man von weiteren Spielern, die dem Olympia-Spektakel im August am liebsten den Rücken kehren wollen, ob sie es am Ende tun werden oder nicht.

Zika-Virus und andere Unannehmlichkeiten hin oder her – das olympische Golfturnier hat in Wahrheit viel massivere Schattenseiten. Eine Auseinandersetzung, bei der es um die ultimative Golfkrone gehen soll, darf einfach nicht nur mit 60 Pros gespielt werden, noch dazu mit weiteren nationalen Limits wie zB. nur vier amerikanischen Spielern. Einem Patrick Reed, Zach Johson oder Phil Mickelson den Olympiastart unmöglich zu machen, nur weil das Olympische Dorf nicht mehr als 2 x 60 Golfer beherbergen kann, ist einfach ein Holler.

Dazu die Inflation an Golf-Highlights: Masters, US- und British Open, PGA Championship, Ryder Cup, vier World Golf Championship, The Players, BMW Championships und vier FedExCup-Playoffs. Der Golfsport hat praktisch jede zweite Woche ein absolutes Megaturnier am Kalender, wo die Stars bereits jetzt bis zum Anschlag schnaufen um sich noch halbwegs seriös fokussieren zu können. Auch ohne Olympia schwänzen immer mehr Topleute das eine oder andere “Pflicht-Event”.

Der Golfsport braucht in Wahrheit kein olympisches Turnier, weil es in keiner anderen Sportart so viele Riesenevents gibt. Dass Ruderer, Ringer und ähnliche Randsportarten von den 5 Ringen profitieren, ist dagegen klar und auch gut so. Die Golfverbände dieser Welt feiern natürlich die politisch erreichte Aufwertung, weil sie nur damit an fette Fördertöpfe ihrer nationalen OCs kommen. Auch für den ÖGV ist Olympia das beste Geschäft.

Dazu kommt der zweifelhafte Ruf, den sich die olympische Funktionärsfamilie mit ihren Megaskandalen der letzten Jahrzehnte (un)redlich erworben hat. Olympia vor 20, 30 Jahren, das war wie eine Mondlandung alle vier Jahre. Jetzt ist es eher wie ein weltweites Donauinselfest, inflationäres Halligalli.

Die Liste ist also erschreckend lang und wurde in den letzten Monaten immer länger, was GEGEN Golf bei Olympia spricht. Natürlich ist auch genug auf der Habenseite. Jeder Sportler und jeder Fan muss für sich persönlich entscheiden, wie wichtig er das erste olympische Golfturnier nach 112 Jahren Abstinenz einordnen soll. Das allein ist schon ein kaum zu schlagendes Argument. Oder? Wird die erste Golf-Goldmedaille nach so langer Zeit wirklich den Gewinner “unsterblich” machen?

Das alles erinnert mich an 1988, als Tennis nach 60 Jahren Pause wieder olympisch wurde. Und hier die ultimative Testfrage: wer hat 1988 in Seoul die Goldmedaille bei den Herren gewonnen? (Googeln gilt nicht!)

Nein, nicht Ivan Lendl, Boris Becker, Pete Sampras oder Stefan Edberg…. ein Tscheche namens Miloslav Mecir war der Lucky Winner. Sicher hat es ihn gefreut, aber die Sportwelt hat es weder in Prag noch woanders nachhaltig verändert.

Letztlich wird es die Organisation und die Atmosphäre in Rio entscheiden, ob Olympia, der Golfsport, beide oder keiner vom Olympischen Golfturnier profitieren werden. Vorausgesetzt, weitere Absagen wird es nicht mehr geben und “The Road to Rio” wird nicht weiterhin mit Pflastersteinen zugeschüttet.

Von Joachim Widl

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Bernds Amerika-Gamble

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Bernd Wiesberger lässt sich auf ein Vabanque-Spiel in Amerika ein: wenns nicht klappt, fliegt er aus den Top 50 der Welt.

Auf Amerikas Golfwiesen erlebt Bernd Wiesberger mehr Halloween als Thanksgiving. Das gute Masters-Debüt 2015 (Platz 22) täuschte über magere 10 Turniere in Amerika hinweg, wo er gerade mal 16 Zähler fürs World Ranking sammelte, weniger als 10% seiner Jahrespunkte. Bernd ist der einzige Spieler in der Weltelite noch ohne Top 10-Resultate in Amerika.

Im  Ryder Cup-Jahr 2016 hat Wiesberger neuerlich die Wahl, ob er lieber Euros oder Dollar nachjagen soll  – und entscheidet sich wieder für die fetteren Golfwiesen westlich des Atlantiks. Die Situation heuer ist jedoch eine andere: geht sein Gamble nicht auf und setzt es in den nächsten Wochen keine Topergebnisse auf den Plätzen in Kalifornien, Florida oder Georgia, dann droht der Rausfall aus den Top 50 der Weltrangliste, mit all den unangenehmen Nebenerscheinungen, die heißen könnten: Zuschauen beim Ryder Cup, keine automatische Qualifikation für Majors und WGCs, auch keine Amerika-Invites mehr.

Obwohl sich unser 30-jähriger Golfstar eigentlich heuer ganz auf die European Tour konzentrieren wollte – da ohne Spielrecht in Amerika und mit besseren Chancen auf die Ryder Cup-Qualifikation über die European Tour –  verzichtet er im Frühjahr auf die Turniere in Asien, die in der Vergangenheit seine goldenen Wiesen waren (Siege in Korea, Indonesien, Platz 2 in Malaysien).

Unverständlich? Ein Fehler? Im Gegenteil, recht hat er! Bernd hat nie ein Hehl daraus gemacht, was ihn antreibt: sich im Kreis der Allerbesten bei den Topturnieren beweisen. Und die sind nun einmal zwischen Februar und April alle in Amerika: Northern Trust, Honda Classic, dann die beiden WGCs Cadillac und Match Play, Houston, Augusta! Dort spielt die Golfmusik.

Bernds Kalkül: gut spielen musst Du überall für den Erfolg. Sich in Asien bei zweitklassigen Feldern zu verstecken um ein bisserl Selbstbewusstsein aufzubauen, wäre was für Weicheier. Als Top 50-Spieler gilt es mit breiter Brust aufzutreten und den Wettkampf im Kreis der Allerbesten zu suchen. Die Ergebnisse im Desert Swing waren zwar nicht berauschend, aber alle Zylinder im Wiesberger-Motor feuern im Prinzip im richtigen Takt und auf vollen Touren, nur noch nicht ganz synchron in Richtung Norden am Leaderboard.

Für den Ryder Cup kann man sich auch nicht über strategisches Punktehamstern qualifizieren. Diese Ehre kommt automatisch für die Jahresbesten, sozusagen als Zugabe und Bonus-Turnier – und heuer wahrscheinlich über Ergebnisse in Amerika, die ins Team von Hazeltine führen werden. Darren Clarke wird für seine drei Wild Card-Picks auch garantiert auf Schlachtrösser der Vergangenheit zurückgreifen, die es trotz guter Leistungen nicht direkt ins Team schaffen, also auch das kann Bernd vergessen.

Da Bernd kein Produkt amerikanischen College-Golfs ist wie ein Sergio Garcia oder Graeme MCDowell, hat er es dort naturgemäß schwerer. Gespannt dürfen die TV-Golffeinschmecker daher in den kommenden Wochen sein, wie sich Bernd auf Bermuda-Grüns in Florida präsentieren wird. Ob er Annäherungen in knochenharte Grüns besser hinbekommt und auf den widerborstigen Gräsern in Miami, Orlando und Houston den direkten Weg ins Loch findet. Wie er Bad Breaks mental wegsteckt, die jeden in Amerika erwischen und wie er sich im Kreis der weltbesten Putter auf der US PGA Tour schlagen wird.

Missed Cuts werden verschmerzbar, 25., 30. Plätze aber auch garantiert zu wenig sein. Bernd wird in den kommenden Monaten neue persönliche US-Höhen erklimmen müssen, also Top 5-Ergebnisse, damit sich der Flug über den Atlantik im World Ranking und der Non Members-Wertung der US PGA Tour auszahlt. Spätestens nach der US Open wird sich zeigen, ob der Höhenflug des BW weitergeht oder ob es eine Delle in der Karriereplanung setzt.

Von Joachim Widl

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RC 2022: Ausgebootet!

Tigerline_Golf_Live_atItalien leistet sich um 100+ Millionen ein Dreitages-Turnier und sticht damit Sponsorweltmeister Deutschland aus. Auch Österreich wird schmerzhaft auf den Boden monetärer Tatsachen zurückgeholt.

Fontana-Eigentümer Sigi Wolf hatte vor einem Jahr anlässlich Österreichs Ryder Cup-Präsentation erklärt: ” Es ist mir bewusst, dass es gilt an einem sehr großen Rad zu drehen”. Wie groß, das hätte er wohl selbst nicht gedacht. Italien bläst seine eigene Open 2016 von 1,5 auf 3 Millionen und danach für 11 weitere Jahre sogar auf 7 Mio. Euro auf. Zusammen mit der Lizenzgebühr von 18 Millionen, dem Platzumbau im Marco Simone GC sowie Nebengeräuschen blättern Italiens reiche Golffamilien somit einen Betrag jenseits der 100 Millionen Euro hin.

Nicht schlecht für ein Dreitagesturnier für 24 Golfpros, die noch dazu keinen Euro davon abbekommen – oder nur durch die Hintertür. Die European Tour steht im beinharten Match gegen die US PGA Tour mit dem Rücken zur Wand. Der neue Boss Keith Pelley versucht über die Knute “Ryder Cup” seine Eurostars zu wenigstens 5 Turnieren außerhalb von Majors und WGCs zu verpflichten. Wer so wie Paul Casey nicht spurt, ist für das Ryder Cup-Spektakel nicht startberechtigt. Das funktioniert unter hörbarem Murren von McIlroy und Co. jedoch nur dann, wenn neue Mega-Events von 7 Millionen in Europa entstehen, wie sie Woche für Woche in Amerika aufgetischt werden.

Also bleibt der European Tour nichts anderes übrig als ihr Kronjuwel an den Meistbietenden zu versteigern – Rom bietet genau das mit der 7 Millionen Euro dotierten Italien Open ab 2017 für 11 Jahre an! Mission accomplished aus Sicht der European Tour.

Während in Italien an Rädern in der Dimension von Schiffsschrauben gedreht wurde, bewegte man sich in Österreich eher im Hamsterrad. Ein ungemein engagiertes Team im ÖGV rund um Robert Fiegl, Andreas Holzmüller und Gary Stangl rackerte mit Herzblut über ein Jahr bis zur totalen Erschöpfung und bewegte dabei das absolute Maximum, was im kleinen Alpengolfland darstellbar war.

So wie sich Golfösterreich selbstbewusst und herzerfrischend auf der internationalen Bühne präsentierte, das verdient allergrößten Respekt und hat uns viele neue Sympathien eingebracht. Wir mögen nicht die dickste Brieftasche mitgebracht haben, aber ein rundum stimmiges Konzept, das in vielen Komponenten wie der Infrastruktur oder der Golfentwicklung im Osten Europas das wahrscheinlich sogar Allerbeste war.

Das von vielen erhoffte Millionen-Euro-Comeback von Fontana am ET-Kalender, das unbedingt notwendig gewesen wäre, spielte es dagegen nicht. Während Italien mit ihrer Open klotzt, hat die Lyoness Open mit der Aufwertung von 1 auf 1,5 Mio. wohl den absoluten Plafond erreicht und verbleibt eine Randerscheinung am ET-Kalender.

Bereits im Sommer war Nachdenklichkeit in Österreichs RC-Hauptquartier zu spüren, als bekannt wurde, dass Italiens Bid von der weltweit größten Sportmanagement-Agentur IMG um kolportierte 2 Millionen Euro gepusht wurde, samt entsprechendem Lobbying. In Österreich waren solche Summen einfach für die eigene Bewerbungsmaschinerie nie und nimmer aufzubringen.

Auch von Deutschland nicht. Die Annahme, dass der neue ET-Boss Keith Pelley wenige Tage vor dem entscheidenden 3. Adventwochenende in München bei BMW zum Canossagang antrat, wie die Süddeutsche mutmaßte, war ein kleiner Irrtum. Es ging eher darum, die Münchner in letzter Minute in italienische Sphären hinauf zu lizitieren, was sichtlich scheiterte und das Pendel endgültig in Richtung Süden ausschlagen ließ.

Wie sich das auf BMWs zukünftiges Engagement als mit Abstand wichtigster Geldgeber der European Tour auswirken wird, bleibt abzuwarten. Hinter so mancher Hochglanzfassade bröckelt es. Auch Frankreich hat mit dem Ryder Cup 2018 mehr Probleme als allgemein bekannt. Im Bemühen, die jährlichen Raten für die RC-Lizenz in Millionenhöhe abzustottern, hat der französische Verband sein Engagement für Challenge- und Alps Tour spürbar zusammengestrichen – wohl auch nicht ganz im Sinne des Golfsports.

Für alle, die sich jetzt sagen “… na dann probieren wir es halt in vier Jahren wieder…”, nur soviel. Deutschland ist vor vier Jahren an der nicht gewährten Steuerbefreiung für Ryder Cup-Einnahmen gescheitert. Das wurde diesmal angeboten, allerdings keine 100 Millionen. In  vier Jahren wird Deutschland dazulernen und wieder antreten – mit Steuerbefreiung plus 100 Millionen für Extraturniere. So hoch wird die Latte liegen, wenn der Ryder Cup 2026 wieder an den Meistbietenden gehen wird.

Von Joachim Widl

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Auf die harte Tour

Tigerline_Golf_Live_atÜberleben ohne Tourkarte! Bärli Neumayers unglaubliche Einladung für die European Tour. Prägant scheffelt derweil die Petrodollars.

Während die Weltelite Woche für Woche um Euromillionen spielt, ist für die Jungs ohne Tourkarte der golferische Überlebenskampf angesagt. Den Kopf hochhalten, hart arbeiten und auf sich öffnende Türen warten, das kann erstaunliche Früchte tragen.

Hier die unglaubliche Story des Bärli Neumayer: beim Pro/Am eines Salzburger Golfhotels bekam er den Marketingchef von Porsche Deutschland als Flightpartner zugeteilt. Neumayer sorgt für gute Stimmung und spielt mit einer Runde von 4 unter Par seinen Stiefel herunter. Dem prominenten Hobbygolfer hats gefallen, er fragt ob Bernard noch Zeit für eine weitere Golfrunde am nächsten Tag in Zell am See hätte?

Und dort schüttelt Neumayer, der bereits seit Wochen stark auf der Pro Golf Tour spielt, zum richtigen Zeitpunkt eine Traumrunde aus dem Ärmel: drei Eagles und ein Score von 8 unter Par! Der Porsche-Mann ist von den Socken und ruft unmittelbar nach der Runde den Promotor der Porsche European Open an: “Du, ich brauche eine Einladung!”

Neumayer, der bei der Lyoness Open vom Veranstalter übergangen wurde und beim Omega European Masters nur einen Startplatz fürs Pro/Am erhielt, kommt somit in Bad Griesbach endlich zu seinem European Tour-Debüt.

Fast noch spektakulärer hält sich Flo Prägant ohne Spielrecht für European- oder Challenge Tour über Wasser. Nach Verletzungen und Schwungkrise 2014 (“In meinem Schwung hat gar nichts gepasst”) denkt der Kärntner ans Aufhören, will es aber 2015 noch einmal wissen. Die Einladung nach Atzenbrugg nutzt er elegant um 15.000 Euro für Platz 22 abzustauben und holt sich beim Czech Masters noch 3.000 Euro Nachschlag. Das reicht um mit 25.000 Euro Preisgeld Platz 2 in der Austrian Order of Merit zu übernehmen und somit weitere Wild Cards zu rechtfertigen.

Gut spielen ohne Tourkarte – das lohnt sich nirgendwo mehr als in Dubai. Auf der Mena Golftour gibt es mit 50.000 Dollar satte Preisgeldtöpfe bei überschaubar besetztem Starterfeld. Das Flugticket in die Emirate rechtfertigt Prägant gleich beim ersten Einsatz im Dubai Creek Golf & Yachtclub: erst im Stechen schrammt er am Sieg vorbei, sahnt aber auch für Platz 2 stolze 6000 US Dollar ab.

Der Stehsatz seinerseits von Markus Brier – “Eine Tourkarte bringt dir noch gar nichts” – bewahrheitet sich wieder einmal. Im beinharten Profigeschäft zählt nur das eiskalte Zuschlagen wenn es drauf ankommt. Never give up! Türen öffnen sich für den hungrigen Golfpro zu jeder Zeit.

von Joachim Widl

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US-Tourkarte egal

Tigerline_Golf_Live_atBernd braucht seine Tourkarte in Europa deutlich mehr als ein Spielrecht in Amerika. Die Top 50-Stars können sich alle Turniere aussuchen – bis auf den Ryder Cup.

Ohne ein gewaltiges Finish bei der Bridgestone Invitational und der PGA Championship wird es wohl nichts werden mit Bernds US-Tourkarte für 2016. Und das ist auch besser so, weil es ihn nur in Versuchung führen würde, vielleicht die falschen Entscheidungen zu treffen und den Fokus zu sehr auf die US PGA Tour zu legen.

Zugegeben, die European Tour wird bei den Spielern immer unbeliebter, vor allem seit sie bei US-Turnieren wie Popstars verwöhnt werden und im Schnitt doppeltes Preisgeld winkt. Aber es gibt drei sehr, sehr gewichtige Gründe, warum Europas Topspieler wie Bernd Wiesberger der European Tour besser nicht den Rücken kehren und weiterhin brav ihre 13 bis 15 Turniere pro Jahr als Minimum absolvieren:

1. RYDER CUP: Für Spieler eines Kalibers wie Bernd Wiesberger (Top 50 der Welt, aber nicht unter den Top 10) ist die Qualifikation für den Ryder Cup viel leichter über die Punkte aus dem Race to Dubai zu stemmen. Wäre der Ryder Cup schon heuer und die Qualifikation jetzt fast zu Ende, hätte Bernd Wiesberger gute Chancen mit den Top 4 der Europa-Qualifikation ins Team zu kommen.

Über die Weltrangliste kommen zwar 5 Spieler in Europas Ryder Cup-Team, aber da wäre Wiesberger zur Zeit siebentbester Europäer, aber auf jeden Fall nicht so leicht qualifiziert. Die besten Europäer im World Ranking sind zumeist jene, die auf der US Tour und bei Majors und WGC-Events ihre meisten Punkte holen.

2. BESSER IN EUROPA: Gerade mal 9% seiner Weltranglistenpunkte holte Bernd heuer auf amerikanischem Boden. Ohne den fulminanten Desert Swing, den zweiten Platz in Irland und den Triumph in Paris sähe es düster aus. Beim fast wöchentlichen Puttwettbewerb auf der US PGA Tour zog Bernd bislang den Kürzeren, vor allem auf den Bermudagrüns von Florida und anderen Südstaaten.

Bernd sollte sich Gonzalo Fernandez-Castano als warnendes Beispiel nehmen. Der schaffte es vor zwei Jahren unter die Top 35 der Welt und löste dank eines 3. Platzes beim Arnold Palmer Invitational die US Tourkarte. Obwohl der Spanier dann zum Jahresende in China das BMW Masters (European Tour) gewann, spielte er 2014 und 2015 praktisch ausschließlich auf der US PGA Tour.  Mit Ach und Krach verteidigt Gonzo zwar sein Spielrecht in Amerika, rutschte aber bis auf Rang 298 im World Ranking ab und machte heuer gerade mal 250.000 Dollar Kasse. Für Majors und WGC-Events reicht es nicht mehr.

3. WORLD PLAYER STATT FREMDLING IN AMERIKA: Klüger agieren da Spieler wie Danny Willett, die so wie Bernd heuer als World Player statt als USA-Gäste agieren. So ein Programm 2016 wäre auch ein Traum für jeden Fan: Saisonbeginn mit dem Desert Swing, dann das Frühjahr in Amerika mit ein paar regulären US PGA Tour-Events, den ersten zwei Majors, WGC-Events und der Players Championship. Es folgt ein heißer europäischer Sommer mit den Megaturnieren French Open und Open Championship. Dazu sponsortaktisch elegant Stopps in München (BMW), Österreich (Raiffeisen) und Crans-Montana einlegen und bisserl vor den eigenen Fans aufgeigen. Das könnte 2016 zudem leichter werden, mit einer Austrian Open vielleicht zu einem besseren Termin im August oder September, möglicherweise sogar wieder in Fontana (?). Weiter Punkte fürs Race to Dubai und kommendes Jahr für die Ryder Cup-Quali sammeln und die Finalserie im Race to Dubai bestreiten. Auf keinem anderen Weg wird Bernd Wiesberger so erfolgreich punkten wie mit einem Turnierprogramm als World Player.

Die Tourkarte für Amerika braucht Wiesberger gar nicht: für Turniere wie die Arnold Palmer Championship oder die Players Championship reicht die gute Weltranglistenposition und wo es rund um die US Majors oder WGC-Events hineinpasst, bekommt er die notwendigen Einladungen sowieso.

Das erklärte Ziel, mit den Großen Jungs bei den Big Events mitzuspielen, ist für ihn als Top 50-Spieler automatisch erreicht. Mit dem Schwerpunkt als World Player teet Bernd zudem auf seinen Lieblingswiesen auf und hat dort die besten Chancen sich in den Top 50 zu halten. Und in Europas Ryder Cup- Team 2016 oder 2018 kommt er am ehesten über das Race to Dubai. Den Luxus auf eine US Tourkarte zu pfeifen, den kann sich Bernd ruhig leisten.

von Joachim Widl

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Putt-Angst geht um

Tigerline_Golf_Live_atAm letzten Meter zum Loch verstolpern Österreichs Tourpros zur Zeit den Erfolg. Die große Putt-Angst geht im heimischen Lager um: wäre intuitives Putten der Schlüssel?

Die Kärnten Golf Open der letzten zwei Jahre war überwiegend ein Putt-Wettbewerb: zu leicht ist der Golfclub Finkenstein für bekannt exzellente Ball-Striker wie Manuel Trappel, die Nemecz-Brüder, Leo Astl oder Jürgen Maurer, die erst bei Kälte und Dauerregen etwas besser ins Bild kamen. Vor allem am Eröffnungstag hatten die internationalen Gäste gnadenlose Birdieorgien hingelegt und mit ultratiefen Scores das Geschehen dominiert. Von 16 Österreichern am Start kam erneut keiner in die Nähe eines Topergebnisses.

Die Puttschwäche von Österreichs Pros sprang nicht nur ins Auge sondern war auch akustisch in Spieler-Statements zu vernehmen – in der Bandbreite von leichtem Ärger bis purer Verzweiflung. Während Nationaltrainer Fred Jendelid Defizite bei der Putt-Technik selbst diagnostiziert, fiel mir die kollektive Unsicherheit am Grün auf: die Angst vor den Big Putts aus ein bis drei Metern, die letzten Umdrehungen des Balls, die zwischen Erfolg und Misserfolg am Leaderboard, Position in der Order of Merit, Weltranglistenpunkten und dem Kontostand des Pros entscheiden – und fast noch wichtiger: über das Selbstbewusstsein beim Putten!

Was nicht zu übersehen war, besonders auf den Schlusslöchern: das übergewissenhafte, endlos wiederholte Lesen der Puttlinie. Sehen sie Break, Strich und Speed nicht auf Anhieb oder wollen sie auf Nummer Übersicher gehen? Letzteres ist der Fall, meinen die Spieler. So wird der anstehende Schicksals-Putt immer und immer wieder gelesen, bis die Verwirrung komplett ist und der Ball auch garantiert vorbei geht.

Intuitive, schnelle Entscheidungen, das propagieren Sportwissenschafter als Rezept: Professor Sian Beilock hat dazu bereits vor Jahren an der University of Chicago eines von mehreren bahnbrechenden Experimenten in dieser Richtung durchgeführt: sie lud Golfanfänger und gute Spieler zum Putten ein, jeweils mit beliebig langer Puttvorbereitung und in der zweiten Versuchsanordnung mit extrem strengem Zeitlimit von 3 Sekunden. Ungeübte Spieler profitierten von längerer Nachdenkfrist, die ihnen Gelegenheit gab, alle Faktoren zu berücksichtigen, während geübte Spieler besseren Erfolg mit kurzer Vorbereitungszeit hatten. “Gute Spieler waren am treffsichersten unter Zeitdruck. Hatten sie viel Zeit zum Nachdenken, versagten sie,” so Professor Beilock.

Den größeren Kontext dazu liefert der Deutsche Intuitionspapst Dr. Gerd Gigerenzer. Jeder Golfpro schöpft nach Zehntausenden Putts aus einem gigantischen Erfahrungsschatz, der das perfekte Einschätzen jeder Puttsitiuation innerhalb kürzester Zeit erlaubt: “Experten, die in einem Gebiet viel Wissen und Erfahrung angesammelt haben, können dem Ergebnis ihrer Intuition vertrauen,” lautet Gigerenzers Credo. Noch interessanter der Umkehrschluss: Misstrauen sie ihrer Intuition, indem sie das Bauchgefühl durch wiederholtes Überprüfen der Entscheidung in Frage stellen, versagen sie.

Besonders trifft dies laut Gigerenzer auf motorische Fähigkeiten zu, also im Spitzensport. Intuitives Putten bedeutet, dem Unterbewusstsein zu erlauben, aus dem eigenen unermesslichen Datenpool zu schöpfen und in Sekundenbruchteilen Entscheidungen zu treffen. Dann kann die eigentliche Putt-Routine beginnen und volle Konzentration darauf gelegt werden, den Putt-Stroke technisch sauber zu exekutieren.

Im Kern geht es am Grün darum, den Ball zu markieren, Pitchmarke ausbessern und die Situation selbst einmal zu ignorieren. Wenn Andere zuerst putten, kann die Zeit genutzt werden sich einfach nur zu sammeln und positiv auf die kommende Aufgabe einzustimmen. Erst wenn man selbst an der Reihe ist, kommt es zum Lesen der Puttsituation – genau einmal und sofortiger Entscheidung wie der Putt zu spielen ist. Unmittelbar danach setzt der gewohnte Ablauf der Putt-Routine ein. Verändert wird nur das Lesen und Entscheiden wie der Putt bezüglich Linie und Speed zu spielen ist.

Der Erfolg, den intuitiv und rasch getroffene Puttentscheidungen bringen, stärkt das Selbstvertrauen: Die Angst vor dem Big Putt weicht der Freude, wie sie gute Putter vor jedem Versuch empfinden, den Ball ins Loch zu befördern. Freude am Golfplatz führt zu besseren Ergebnissen, denen unsere Spieler außerhalb der Top 1000 der Weltrangliste bereits viel zu lange nachlaufen.

Von Joachim Widl

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Eltern Bonusmalus

Wer schützt unsere Golftalente vor überehrgeizigen Eltern? Sind sie reif genug um selbst mit Papa-Handicap Karriere zu machen?

Bei der Gösser Open 2015 wurde Österreich auf der Amateurfront ordentlich eingeschenkt. Früher spielten unsere besten Amateure schon mal um den Sieg in Maria Lankowitz mit. Jetzt darf man froh sein, wenn wie im Vorjahr noch drei Amateure cutten – heuer war es kein einziger mehr! Terminkollisionen, die das Antreten reiferer Kaderspieler verhinderten, sollten hier nicht als Ausrede herhalten, die gabs früher auch schon.

Während bei den Girls Emma Spitz, Lea Zeitler, Isabella Holpfer oder Leo Bettel ordentlich Dampf machen, gabs bei den Boys auf internationaler Ebene zuletzt wenig zu feiern.

Bei der Ursachenforschung hört man immer wieder die gleichen Gründe: Spielplan der Marke “Haudrauf”, Mängel im Kurzspiel, wenig Trainingseifer – und überehrgeizige Eltern.

Letzter Punkt ist wirklich erstaunlich. Wenn Papa und Mama dem aufstrebenden Golfstern aus eigenem Haus im Weg stehen, ist das besonders bitter, aber leider häufig der Fall. In den ersten Karriereschritten konnten die Eltern vielleicht noch ein paar Tipps geben. Aber spätestens beim ersten Leistungstraining müssten sie ihre Kids abgeben und vertrauensvoll den Pro(fi)s überlassen. Ich weiss, das ist sehr, sehr viel verlangt, aber ein entscheidender Schritt im golferischen Reifungsprozess.

Das “Loslassen” erweist sich für die Meisten als allerschwerste Übung. Statt dessen wird von vielen bei jeder Kleinigkeit im ÖGV und bei Trainern interveniert, werden weiter völlig inkompetente “Tipps” gegeben und nach den Turnierrunden das letzte Pflänzchen an Selbstbewusstsein mit “Manöverkritik” gekillt. Und wenns mal halbwegs läuft, trägt der Papa am Sonntag als Caddie seinen Teil bei, damit der Junior auch garantiert abstürzt, weil die Schultern des Taschenträgers zu breit sind. Weil man ja selbst alles besser weiß über den Schwung des Juniors als alle Trainer zusammen. In jedem Golfschlag schwingen die Ideen von Trainer und Papa mit – das Ergebnis kann nur Out of Bounds sein.

Ich habe vor Jahren im ÖGV erfolglos angeregt, alle Eltern von Kaderspielern einen “Verhaltenscodex” unterschreiben zu lassen, wo sie sich zu folgendem verpflichten: alle Interventionen bei ÖGV, Trainern, Journalisten aufgrund von Befangenheit verboten! Abstand halten und aus der Ferne Daumen drücken.

Die Rolle der Eltern sollte sich beschränken auf:
1. Zahlen
2. Chauffieren
3. Vorcaddie (200 Meter weit weg)
4. Erfolge feiern

Hand aufs Herz: wer möchte den eigenen Golfnachwuchs bestmöglichst fördern oder sich in Wahrheit nur über den Umweg der eigenen Kinder wichtig machen?

Die Erkenntnis, wie man als Elternteil am Besten Unterstützung leistet, wäre eigentlich leicht zu bekommen. Man bräuchte nur jeweils den Scoreschnitt der letzten 10 Turnierrunden mit und ohne Anwesenheit der Eltern auszurechnen um zu wissen, ob man vor Ort den Junior beflügelt oder verkrampfen lässt. Der Schluss, den Papa und Mama daraus ziehen müssen, ist in den meisten Fällen sehr schmerzhaft.

Es gibt natürlich auch die Mustereltern, die loslassen können und sich darüber freuen, ihren Kindern das Rüstzeug für eine hoffnungsvolle Karriere mitgegeben zu haben.

Wer die Golfkarriere im eigenen Haus wirklich fördern möchte, der wird zusätzlich zu jeder Menge Zeit und Geld auch noch dieses Opfer bringen müssen, das vielleicht entscheidende überhaupt. Vor diesen Eltern habe ich die allergrößte Hochachtung.

von Joachim Widl

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Tiger-Rummel nervt

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Tigers Umfeld und die US-Medien wollen der Welt weißmachen, dass die Ära Woods unverändert weitergehen … könnte, würde, sollte. Dabei leben Fans und ihre jungen Idole längst in einer neuen Wirklichkeit.

Das Schauspiel der letzten Monate um den prominentesten Golfrücken der Welt war an Heuchelei kaum zu überbieten. Aus Rücksicht auf millionenschwere Werbeverträge und Einschaltquoten bei Golfchannel und Co. lief seit Juni ein Comeback ab, das gar keines war. Das hat sich auch Tiger nicht verdient, dessen Denkmal Steinchen für Steinchen demoliert wird.

Wer die gesicherten Facts über Tigers abgearbeiteten Golfkörper mit Rückenspezialisten und Golftrainern diskutiert, kommt unweigerlich zum Schluss, dass es in Zukunft keine reguläre Saison mit entsprechend intensivem Trainung, mit 15 bis 20 Turnierstarts und zumindest 4, 5 Siegen an Ausbeute geben wird um die Uhren im World Ranking zurückzudrehen.

Dennoch musste Tiger viel zu früh beim National sein Comeback geben – weil seine eigene Foundation dieses Turnier veranstaltet und ein neuer Sponsor mit dem bezeichnenden Namen “MusclePharm” präsentiert werden wollte. Bei der Open Championship quälte sich der Medienstar vier Tage lang zu einem 69. Platz, wobei er an Tag 3 sogar die letzte Tee-Time an der 10 bekam, damit die US-Fans keinen seiner 73 Golfschläge zu bester TV-Zeit im Amerika versäumen.

Dem PR-bemühten @tigertracker geht auf Twitter langsam der Schmäh aus. Vom “besten Job der Welt” zwitschert er schon lange nicht mehr und muss spöttische Tweets der “Tiger-Haters” so gut es geht verbal parieren.

Der Gipfel der Tiger-Nerverei wurde beim PGA Championship erreicht: Mit “Because I can” zündete Tiger eine weitere Nebelgranate im Pressezelt, wobei spätestens am 2. Tag nach 2 Löchern klar war, “No, he can’t”!

Anstatt den packenden Birdiewettlauf an der Spitze von Roars, Lefty und Rickie ausgiebig zu würdigen, wird die TV-schauende Golfwelt zu anderen Bildern verdonnert: Tiger marschiert vom Grün zum nächsten Tee (humpelt er oder nicht?), flüstert mit Joe LaCava (was haben die zu besprechen?), CloseUp auf seine versteinerte Miene (hat er Schmerzen oder nicht?), 10 Wiederholungen samt Analyse jedes weggehookten Drives…

Endlich verkündet Nick Faldo nach stundenlangem Grübeln: “Man kann wohl sicher sagen, dass die Zeit der Tiger-Dominanz von früher vorbei ist. Jetzt ist er nur noch ein Spieler wie viele andere, die ein Turnier gewinnen können.” Danke Nick!

Wieder einmal dürfte das Business über den Sport gesiegt haben: 30 Millionen Dollar-schwere Sponsorverträge von Tiger galt es zu erfüllen – wobei Woods 2014 nur in der Lage ist, die geschäftliche, aber nicht die sportliche Seite zu bedienen.

Die Karawane ist jedoch längst weitergezogen: nachdem der Golfchannel noch im Frühjahr nach Tigers Verletzung über 30% Minus bei Einschaltquoten jammerte, zeichnen die Nielsen-Zahlen nach dem Finaltag der PGA Championship ein ganz anderes Bild: über 6 Millionen US-Haushalte verfolgten wie Phil und Rickie den Schlussflight mit Rory und Bernd jagten. Das sind um 30% mehr Zuseher als im Vorjahr, als Tiger am Sonntag noch im Bild war! Die besten Einschaltquoten also seit 5 Jahren, auch schon am tigerlosen Samstag.

von Joachim Widl

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Game of Losers

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Bei Golfturnieren verliert man pausenlos – selbst wenn man zu den Besten zählt. Die Top 10 der Welt gewinnen vielleicht eines von 25 Turnieren. Deshalb lieben die Buchmacher den Sport so sehr, nirgendwo können sie besser verdienen.

Als Jordan Spieth beim Players Championship wieder mal am Schlusstag spektakulär implodierte, war es ausgerechnet Sergio Garcia, der die vielleicht intelligentesten Worte fand:

“Das Golfspiel ist leider ein Spiel der Verlierer. Wir verlieren viel mehr Turniere als wir gewinnen, das wird auch ihm so gehen. Das passiert mir und jedem von uns.”

Als Tiger Woods 2013 bei seinem Comeback an die Spitze der Golfwelt 5 von 19 gespielten Turnieren gewann und das World Ranking wieder überlegen anführte, war das so ziemlich das Optimum. Dabei hat er streng genommen 14 Turniere “verloren”, also 74%. Auch er ein Loser? Von Bernd Wiesberger gar nicht zu sprechen, der jetzt schon seit 31 Turnierstarts sieglos ist. Sein Winning Percentage dümpelt irgendwo bei 5 % herum.

Und mit jedem Turnier, dass Bernd vielleicht wie in Atzenbrugg “nur” als Zweiter beendet, höre ich die Fragen: was ist los mit ihm? Gute Tipps von Caddiewechsel bis neue Schläger hinterher. Ja und jetzt rächt es sich, dass er keinen Mentaltrainer und Augencoach beschäftigt.

Diese Leute haben das Golfspiel einfach nicht verstanden. In keinem anderen mir bekannten Sport sind Seriensieger so vom System her praktisch ausgeschlossen wie im Golf. Die Spieler haben damit kein Problem, ich auch nicht, aber die breite Sportöffentlichkeit schon.

Fans scharen sich nun einmal hinter dem Leitwolf, also Golfs erfolgreichsten Österreicher. Das war mal Markus Brier, kurze Zeit auch Martin Wiegele und jetzt halt Bernd Wiesberger. Selbst Hobbygolfer, die ihre Kugel keine 180 Meter weit schlagen, bekommen emotional ein Stück des Erfolges ab, wenn ihr Idol gewinnt. Aber halt nur bei Siegen – und das ärgert, wenn man dieses Gefühl nicht jede Woche mitempfinden kann, weil mein Star schon wieder nicht gewann.

Es gibt aber auch glückliche Fans. Die erinnern sich nicht an die “Playoff-Niederlage bei der Lyoness Open 2014”, sondern an das gelochte Wedge zum Eagle in Runde 2, Loch 3. Mir wird ein anderer Golfschlag ewig in Erinnerung bleiben. Bernds Eisen am Schlusstag aus dem Fairwaybunker, Loch 15 (Par 5), aus 250 Metern bis auf 6 Meter zum Stock. Linksgolferisch gespielt, 20 Meter vorm Grün aufgekommen und zur Eaglechance ausgerollt.

Hat man ein Heimturnier tatsächlich verloren, wenn man 111.110 Euro für eine Woche Arbeit verdient, gut 20.000 Leute in die Tullner Pampa gelockt und dort vier Tage lang glänzend unterhalten hat? Was Bernd in den Augen vieler Beobachter “gerettet” hat, dass er wenigstens sein US Open-Ziel erreicht hat.

Dabei hätten wir so viele Gewinner, wenn man sie nur sehen wollte: Amateur Lukas Lipold, von dem die wenigsten zuvor gehört haben, der zwei 71er-Runden schießt. Oder auch abseits von Atzenbrugg im Touralltag der Nachwuchs-Pros: ein Bernie Reiter, der ohne fixen Startplatz mehrmals auf gut Glück nach Lateinamerika fliegt und bei 5 Montags-Qualifyern gleich 4 Mal einen Startplatz erreicht. Nach der 64, mit der er in Mexiko die Quali mit Riesenvorsprung gewann, standen fassungslose Jung-Pros aus Amerika vor dem Aushang, Zitat:: “Who the F… is Bernie Reiter?” (und wussten nicht, dass er daneben steht…)

Oder das Beispiel Bernard Neumayer, der von Salzburg exakt 374 Kilometer zu seinem Trainer Thomas Feyrsinger nach Lignano RADELT – einfach um fit zu bleiben.

Glücklichere Menschen sind jene Fans, die Gewinner auch dann erkennen, wenn sie nicht auf P1 am Leaderboard auftauchen.

von Joachim Widl

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Um die Wurst

Tigerline_Golf_Live_at

Neben Freund(in) Conchita wagen auch Alps- und Pro Golf Tour einen gefährlichen Tanz zwischen den Fronten. Der Kampf um die Wurst ist vor allem in Österreich voll entbrannt – am Ende wird wohl keiner satt.

Seit die Pro Golf Tour (früher EPD Tour) von Deutscher PGA und Langer Sport Marketing die Golfmärkte Österreich und Italien anknabbert, ist der Kampf mit der Alps Tour um Turniere für die 3. Euroliga voll entbrannt.

Mehr Konkurrenz sollte doch das Geschäft beleben, oder? Im Golf ist es eher so: wenn die Wurst von zwei Seiten angeknabbert wird, bekommt zwar jeder einen Zipfel – am Ende wird aber keiner satt.

Für das Alps Tour-Kernland Österreich bedeutet das: die Gösser Open bleibt fest in Alps Tour-Hand, Adamstal und Haugschlag ziehen die etwas günstigere Variante der Pro Golf Tour vor. Ähnlich ist es bei den Spielern: Tiroler und Salzburger wie Astl, Neumayer, Reiter, Rieder oder Jo Steiner bevorzugen die kürzeren Wege Richtung Deutschland, die Steirer wie Tobi Nemecz und Burgenländer wie Uli Weinhandl fühlen sich in Italien und Frankreich wohler.

Pikant ist vor allem, dass die Front ausgerechnet durch Österreich verläuft, wo Alps Tour-Chefin Traude Neuwirth eigentlich ein Heimspiel haben sollte. Adamstal und Haugschlag zeigen jedoch die kalte Schulter und argumentieren mit geringeren Kosten und schlankerer Organisation der effizienten Deutschen.

Höhere Preisgelder von bis zu 48.000 Euro auf der Alps Tour (30.000 Pro Golf Tour) bringen deutlich stärkere Felder und härteren Wettbewerb, dem manche Spieler bewusst ausweichen wollen. Ob das gut ist, sei dahingestellt.

Als die Pro Golf Tour mit Italien ein zweites Kernland der Alps Tour angraben wollte, lief das Fass über. Bei Challenge Tour-Boss Alain de Soutrait, der die vier Satellite Tours unter seinen Fittichen hat, lief die Alps Tour erfolgreich Sturm. Die Italiener verbleiben exklusives Alpenland und die Pro Golf Tour wurde unter Kuratel gestellt.

Einerseits verloren die Deutschen einen Aufstiegsplatz in die Challenge Tour, wonach heuer nur noch die besten 4 statt 5 (Alps Tour) aufsteigen. Außerdem setzt die Pro Golf Tour erstmals eine Qualifying School an.

Die besonders für ihr aggressives Marketing bekannten Deutschen erledigten diese Aufgabe gewohnt kreativ: die Tourschool im Oktober 2014 wird nur über 36 Loch ausgetragen (bei der Alps Tour mit 36 Loch Vorrunde plus 54 Loch Finale) und das saloppe Mindesthandicap von -3,5 öffnet die Tür für praktisch jeden lustigen Singlehandicapper.

Bei den Nenngeldern punktet dagegen die Alps Tour: 85 Euro sind im Vergleich zu 250 Euro auf der Pro Golf Tour ein gewichtiges Argument, was den Deutschen den Ruf eintrug, dass die Spieler wie auf der amerikanischen Hooters Tour im Kern um ihre eigene Kohle spielen, die im Hut zuvor eingesammelt wird.

Dass im Prinzip zwei Geschäftsmodelle um die Gunst von Golfclubs und Kleinsponsoren buhlen, doch Nachwuchsturniere zu veranstalten, sorgt im Endeffekt für zwei zu schwache Turnierserien mitten in der Wirtschaftskrise. Weder Fisch noch Fleisch also – und das ist mir gar nicht wurscht.

von Joachim Widl

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