Auf leisen Sohlen

MEXICO CHAMPIONSHIP – 2. RUNDE: Matthias Schwab schleicht sich im Club de Golf Chapultepec trotz zähen Starts mit einer 68 auf leisen Sohlen an die absoluten Spitzenplätze heran. Bernd Wiesberger hat am Freitag am Weg zur 76 zuviel Mr. Hide und viel zu wenig Dr. Jekyll im Repertoire.

Matthias Schwab verbiss sich zum Auftakt regelrecht in die Runde und belohnte sich an einem Tag an dem ihm nicht vieles leicht von der Hand ging noch mit einer 71 (Par), womit er sich in durchaus vielversprechender Ausgangslage einreihte. Das einfache Rezept um am Freitag die Top 10 attackieren zu können: Chancen erarbeiten und diese, anders als am Donnerstag, auch nützen. Das Vorhaben geht vor allem nach dem Turn richtig gut auf und der Steirer schleicht sich auf leisen Sohlen sogar bis an die absoluten Spitzenplätze heran.

Gleich auf der 1 bietet sich dann auch die Chance zur Grünattacke, er bleibt aber am Par 4 deutlich links im Rough hängen. Der schwierige Pitch über die Bunker gerät dann etwas zu weit, weshalb sich am Eröffnungsloch noch keine Birdiemöglichkeit ergibt. Auch auf der 2 hat er vom Tee wieder Probleme, denn erneut bleibt der Abschlag deutlich links und da danach die Annäherung im Grünbunker verschwindet, muss er sich mit dem ersten Schlagverlust anfreunden.

Die Probleme vom Tee reißen auch danach nicht ab, denn auf der 5 kann er sogar nur einen Querpass zurück aufs Fairway spielen, was am Ende prompt im nächsten Fehler mündet. Endlich findet dann auf der 6 ein Abschlag sein Ziel und prompt attackiert Matthias auch am einzigen Par 5 der Frontnine das Grün. Vom Vorgrün aus hat er sogar die Eaglechance am Putter. Hauchdünn geht sich der Adler zwar nicht aus, das erste Birdie ist aber nur Formsache.

Auf den Geschmack gekommen

Das bringt auch sichtlich erstmals richtig Sicherheit ins Spiel des Rohrmoosers, denn mit sicheren Pars macht er bis zum Turn danach nichts falsch. Kaum auf den Backnine angekommen kann er sein Score dann sogar wieder ausgleichen nachdem er aus drei Metern die Birdiechance verwertet. Die Betriebstemperatur des Putters passt nun sichtlich, denn gleich am darauffolgenden Par 5 ergibt sich aus gut zwei Metern die nächste Möglichkeit und wieder verwertet Matthias ganz sicher, was ihn auch erstmals am zweiten Spieltag in die roten Zahlen abtauchen lässt.

Diese Distanz hat er nun am Putter regelrecht eingespeichert, denn ein weiteres starkes Wedge lässt ihm erneut nur 2,5 Meter übrig und wieder locht er ohne mit der Wimper zu zucken, was ihn bis auf einen einzigen Schlag an die Top 10 heranbringt. Wie aus dem Nichts streikt dann aber plötzlich das Gerät für die Grüns und brummt ihm aus 1,5 Meter das dritte Bogey des Tages auf. Sofort aber setzt er am Par 5 danach trotz eines Ausflugs in den Grünbunker den Konter und dreht sein Score wieder auf -2.

Zum Abschluss zündet er dann noch ein ganz starkes Wedge und legt den Ball bis auf 1,5 Meter zur Fahne. Ohne Probleme nimmt er das Birdie auf der 18 mit, unterschreibt so die 68 (-3) und geht damit als 11. aus richtig aussichtsreicher Position ins Wochenende. „Ich hab leider am Anfang der Runde die Bälle nicht gut getroffen. Im Verlauf wurde das aber wesentlich besser und ich mit den sechs Birdies und drei unter Par gut leben“, fasst er danach seine zweite Runde kurz zusammen.

Viel Mr. Hide, wenig Dr. Jekyll

Bernd Wiesberger zeigte am Donnerstag lange Zeit herausragendes Golf. Zwischenzeitlich strahlte sein Name beim Zwischenstand von -4 sogar von der alleinigen Spitze. Erst gegen Ende schlichen sich dann Ungenauigkeiten ein, die ihm noch drei Bogeys umhängten und so schließlich nur eine zartrosa 70 (-1) ermöglichten. Am Freitag will er eigentlich an die gewinnbringenden ersten 14 Bahnen vom ersten Spieltag anknüpfen, allerdings agiert Bernd lange Zeit viel zu fehleranfällig und kann selbst mit späten Birdies eine tiefschwarze Performance nicht verhindern.

Gleich auf der 10 will die Annäherung nicht aufs Grün, das anfängliche Par stellt aber noch kein Problem dar. Am darauffolgenden Par 5 bremst sich die Grünattacke knapp neben dem Grün im Rough ein und ein etwas zu langer Chip lässt Bernd noch gut zwei Meter zum Birdie über, der Putter will aber nicht mitspielen und verweigert ihm den roten Eintrag.

Richtig bitter wird es dann erstmals auf der 12, denn nach etlichen Problemen im langen Spiel erreicht er überhaupt erst mit dem fünften Schlag das Grün und muss am Ende sogar ein Doppelbogey einstecken, womit der Start in den Freitag ziemlich verpatzt ist. Das Par 3 danach gelingt zwar ohne großen Stress, so richtig entspannend geht es aber auch danach nicht weiter, nachdem einmal mehr eine Annäherung nicht ihr Ziel findet.

Die nächsten Doubletten

Die zweite lange Bahn der Backnine lässt Bernd dann aber nicht ungenützt verstreichen. Nach einem Drive ins Rough gelingt auch das Wedge nicht so wirklich genau nach Plan. Aus gut vier Metern spielt der Putter diesmal jedoch mit. Lange bleibt das Gerät fürs Kurzgemähte aber nicht auf Betriebstemperatur, denn auf der 7 tritt er sich aus nicht einmal drei Metern einen Dreiputt ein und rutscht so prompt wieder auf 2 über Par für den Tag zurück.

Das scheint regelrecht ein Wirkungstreffer zu sein, denn am kurzen Par 3 danach rollt der Ball zurück ins Wasser und brummt Bernd so das bereits zweite Doppelbogey des Tages auf. Lange bleibt das Spiel des siebenfachen European Tour Siegers danach nicht stabil, denn auf der 2 bunkert er sich neben dem Grün ein, produziert danach aus dem Sand einen Flyer und tritt sich so rasch Doppelbogey Nummer drei ein, was ihn endgültig im Klassement abstürzen lässt.

Gute Phase

Ein weiterer Dreiputt gleich danach am Par 3 kostet sofort den nächsten Schlag. Zumindestens kann er auf der 4 mit gelungenem Up & Down einen weiteren Fehler abwenden und hat auf der 5 sogar einen der seltenen Gründe zu jubeln, nachdem der Birdieputt aus gut vier Metern sein Ziel findet. Das Erfolgserlebnis scheint noch einmal etwas zu pushen und bringt nun auch erstmals Dr. Jekyll ins Spiel der Mr. Hide endlich ins Bag zurückstopft, denn am Par 5 danach legt er die Annäherung stark zur Fahne und schnürt so sogar den Doppelpack.

Wie verrückt Golf manchmal sein kann ist wohl am besten an dieser Runde von Bernd abzulesen. Lange Zeit funktioniert so gut wie gar nichts und plötzlich gelingt wieder alles, denn am Par 3 der 16 bunkert er sich neben dem Grün ein, locht aber aus dem Sand zum dritten Birdie en suite und hobelt so immer mehr vom aufgerissenen Rückstand wieder weg.

Fast passend zu einem, trotz der späten Birdies, total verpatzten Spieltag, legt er aus dem Fairwaybunker den Ball übers Grün unangenehm zu einem Baum, hat von dort keine Chance den Ball zur Fahne zu bringen und tritt sich noch ein abschließendes Bogey ein, womit er die 76 (+5) perfekt macht, die ihn bis auf Rang 54 abrutschen lässt.

Bernds Flightpartner Bryson DeChambeau (USA) erwischt einen wahren Traumtag und marschiert mit einer 63 (-8) und bei gesamt 11 unter Par bis an die Spitze nach vor.

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