Rollercoaster-Season

DP WORLD TOUR CHAMPIONSHIP – FINAL: Bernd Wiesberger kitzelt am Finaltag am Earth Course der Jumeirah Golf Estates noch einmal alles aus sich heraus und gibt mit der 63 (-9) noch die rote Laterne ab. In gewisser Weise spiegelt das Saisonfinale auch seine bisherige Saison wieder, denn das Jahr 2021 kann man durchaus als Achterbahnfahrt betrachten.

Bernd Wiesberger lieferte in dieser Woche über drei Tage wohl mit seine schwächste Performance der bislang so schillernden Karriere ab, denn nach zwei anfänglichen 76er (+4) Runden belegte er bereits abgeschlagen den letzten Platz und riss am Moving Day schließlich mit einer 75 (+3) schon satte neun Schläge Rückstand auf den vorletzten Rang auf. Am Finaltag geht es nun vorrangig darum zumindest die Saison noch mit Anstand zu Ende zu bringen, was mit einer fantastischen letzten Umrundung auch sehenswert gelingen soll.

Wie schon am Vortag geht sich auch am Sonntag wieder am Par 5 der 2 ein schnelles Birdie aus und da er danach auf der 3 das Par mitnehmen kann, kann man erstmals in dieser Woche von einem recht gelungenen Start in eine Runde sprechen. Mit einer absolut perfekten Annäherung auf der 5 – es fehlen beim Approach sogar nur wenige Zentimeter auf den Eagle – nimmt er dann recht rasch ein weiteres Birdie mit und kann so die Lücke auf zu den Vorletzten etwas verkleinern.

Im Birdieflow

Auch danach hat er vor allem die Eisen am Sonntag deutlich besser im Griff als noch an den Tagen zuvor, wie auch ein weiterer lasergenauer Approach auf der 8 verdeutlicht, was ihn auf bereits 3 unter Par für den Tag gehen lässt. Das Bild ändert sich auch zu Beginn der letzten neun Bahnen nicht, denn schon auf der 10 und der 11 zündet er weitere messerscharfe Eisen und drückt weiter sehenswert aufs Tempo, was ihn bereits bis auf zwei Schläge an Morrison (ENG) und Pulkkanen (FIN) heranbringt.

Richtig auf der Welle knallt er dann auch am Par 3 der 13 ein super Eisen zur Fahne, legt danach die Grünattacke am Par 5 stark aufs Grün und locht auf der 15 sogar fast die Annäherung. Derart stark geht er mit dem roten Triplepack bereits auf 8 unter Par für den Tag und bringt gibt so das Schlusslicht endgültig weiter. Traumwandlerisch sicher rollt er dann auch am Par 3 der 17 aus vier Metern den Ball ins Loch und unterschreibt so schließlich die 63 (-9), womit er nicht nur den letzten Platz vermeidet und noch bis auf Rang 49 hinaufklettert, sondern auch noch die bislang beste Runde des gesamten Feldes hinknallt. Im Race 2 Dubai rutscht er mit der insgesamt aber verpatzten Woche vom 10. noch auf den 13. Platz zurück.

Saison der Gegensätze

Das letzte Turnier spiegelt in gewisser Weise auch die komplette Saison des Burgenländers wieder, denn man kann bei einer Nachbetrachtung durchaus von einer Achterbahnfahrt sprechen. Mit vier Top 10 Ergebnissen und sogar dem Sieg in Dänemark springen etliche Highlights ins Auge, dennoch muss man anmerken, dass noch deutlich mehr möglich gewesen wäre. So überreichte er etwa den schon sicher scheinenden Sieg in der Schweiz mit einem abschließenden Doppelbogey noch an Rasmus Hojgaard (NOR) und verpasste auch bei beiden spanischen Turnieren im Oktober mit Fehlern am 72. Loch noch Topergebnisse und somit wichtige Weltranglistenpunkte.

Das selbstformulierte Ziel bei den ganz großen Events voll da zu sein konnte er ebenfalls nicht in die Tat umsetzen, denn bei den Majors etwa war ein 40. Platz beim Masters heuer schon das höchste der Gefühle. Dem Gegenüber steht jedoch klarerweise der erfüllte Lebenstraum der Teilnahme am Ryder Cup, wenngleich er ausgerechnet bei der bis dato höchsten Niederlage Europas in der modernen Geschichte mit dabei war und darüber hinaus bei drei Einsätzen ebenso viele Niederlagen einstecken musste.

Top 50 müssen warten

Die „Rollercoaster-Season“ macht sich auch in der Weltrangliste bemerkbar, denn mit etlichen liegengelassenen Punkten rutschte er zwischenzeitlich sogar jenseits der Top 60 ab, kämpfte sich mit einem starken 2. Platz vergangene Woche beim ersten Dubai-Event aber wieder heran und hatte so – ein absolutes Topergebnis vorausgesetzt – beim großen Saisonfinale sogar noch die Chance die Top 50 wieder zu knacken, womit er auch das Masters kommendes Jahr bereits abgesichert hätte. Mit den drei komplett verpatzten Runden von Donnerstag bis Samstag war jedoch bereits klar, dass es beim letzten Saisonevent jedoch damit nichts mehr werden wird und auch der Bonuspool der besten 8 im Race 2 Dubai war damit außer Reichweite.

Die kommende Saison startet unter neuem Namen – ab sofort heißt die European Tour DP World Tour – bereits kommende Woche mit drei Events in Südafrika. Ob Bernd 2021 noch an den Start gehen wird oder nicht bleibt noch abzuwarten. Stand jetzt hat er die Afrika-Events jedenfalls noch nicht am Schirm. Aus österreichischer Sicht gibt es dennoch Grund genug zum Daumendrücken, denn Lukas Nemecz wird fix mit von der Partie sein und Matthias Schwab wird in Sun City und Leopard Creek ebenfalls am Start stehen.

Machtdemonstration

Champion Golfer of the Year Collin Morikawa gibt beim Saisonfinale ein absolutes Statement ab. Der als Führender im Race 2 Dubai ins Turnier gestartete US-Amerikaner bleibt mit Runden von zweimal 68 (-4) und einmal 69 (-3) Schlägen immer ganz vorne dabei und dreht schließlich am Sonntag mit einer 66 (-6) richtig auf. Bei gesamt 17 unter Par kann die Konkurrenz nicht mithalten, womit sich der erst 24-jährige in Dubai neben dem Turniersieg als erster Amerikaner auch die Gesamtwertung der European Tour krallt.

Leaderboard DP World Tour Championship

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