Happier zur Open

SCOTTISH OPEN – FINAL: Bernd Wiesberger kommt beim Rolex Series Event im Renaissance Club erst zu spät richtig ins Rollen und kann so trotz einer sehenswerten 66er Finalrunde das erhoffte asbolute Topergebnis nicht mehr mitnehmen. Mit der knallroten Sonntagsperformance reist der Südburgenländer aber mit Sicherheit etwas “happier” zum Major nach Kent, dass jedoch nun die wohl letzte Chance darstellt um seine hochgesteckten Ziele noch realisieren zu können.

Bernd Wiesberger reiste mit besten Erinnerungen zum European Tour Event nach North Berwick, konnte er doch vor zwei Jahren an eben dieser Wirkungsstätte seinen ersten Rolex Series Titel der Karriere einfahren. Ähnliches würde ihm auch 2021 guttun, denn nach seinem Sieg in Dänemark rutschte er bereits bis auf Rang 59 in der Weltrangliste ab, was sich in naher Zukunft auch schmerzlich auf die Saisonplanung auswirken könnte.

Ein absolutes Topergebnis – Bernd benötigt in Schottland entweder einen geteilten 4. oder alleinigen 5. Platz um den besten 50 der Welt wieder anzugehören – ist somit logischerweise das erklärte Ziel, allerdings erschwert er sich dieses gleich am ersten Spieltag mit einer 71 (Par) doch enorm. Nach einer 68 (-3) am Freitag ging sich zwar der Cut ohne große Schwierigkeiten aus, den Spitzenplätzen kam er jedoch nur bedingt näher und auch eine 69 (-2) am Moving Day verhinderte richtig große Sprünge.

Der notwendige 4. Platz ist somit vor den letzten 18 Bahnen bereits satte sieben Schläge weit entfernt. Wohl wissend, dass im Golf schon verrücktere Sachen passiert sind, will er laut eigener Aussage am Sonntag aber noch einmal alles reinwerfen um eine richtig tiefe Finalrunde notieren zu können. Dank leichtem Regen über Nacht präsentieren sich die Verhältnisse doch bissiger, was dem Oberwarter im Nachhinein betrachtet auch sichtlich in die Karten spielt.

Zu hohe Fehlerquote

Nach zu ungenauem Wedge ergibt sich auf der 1 jedoch noch keine Birdiechance, immerhin besteht er aber den Zweimetertester zum anfänglichen Par. Ein links verzogener Abschlag erschwert auf der 2 zwar aus dem dicken Zeugs die Annäherung, er erwischt aber noch das Grün, benötigt danach aber drei Anläufe und stolpert so schon früh über das erste Bogey. Auch auf der 3 zieht der Drive wieder zu weit nach links, was Bernd schließlich zur Vorlage zwingt. Nach gutem Wedge geht sich aus fünf Metern aber das erste Birdie aus, womit er sein Score sofort wieder auf Level Par dreht.

Endlich findet ein Abschlag auf der 4 dann das Fairway und nach einem weiteren starken Approach sackt er aus 1,5 Metern gleich das nächste Birdie ein. Bei Gegenwind geht Bernd es am kurzen Par 5 defensiv an, lässt das Wedge aber zu weit zurückspinnen und verschiebt danach noch dazu aus einem Meter den Parputt, womit er rasch einen weiteren Fehler picken hat. Der 35-jährige zeigt sich davon aber unbeeindruckt und legt sich zwei Löcher später mit zwei satten Hieben die Eaglechance auf, die er gekonnt aus knapp vier Metern verwertet.

Bereits eine Bahn später hat er dann mit den Grüns aber wieder so seine liebe Mühe, denn mit dem nächsten Dreiputt geht es wieder etwas im Klassement retour. Bernd bleibt aber fokussiert und legt sich nach starker Rettungsaktion am Par 3 der 9 bereits auf der 10 die nächste Eaglechance auf. Zwar hat der erste Putt rein gar nichts mit dem Loch zu tun, sein nächstes Birdie nimmt er aber mit. Dank eines lasergenauen Eisens, das sich perfekt einen guten Meter hinter der Fahne einbremst, geht sich auf der 11 sofort ein weiteres Erfolgserlebnis aus.

Nach einer kurzen Verschnaufpause mit sicheren Pars legt er auf der 14 einmal mehr eine gute Annäherung aufs Grün und dockt mit seinem bereits siebten Schlaggewinn des Tages auch an den Top 20 an. Standesgemäß nimmt er dann nach einem starken Pitch zum vierten Mal vom Par 5 der 16 ein Birdie mit und hat so plötzlich sogar die besten 10 breit vor sich aufgefächert.

Mit abschließenden stressfreien Pars unterschreibt er so die 66 (-5) und spielt sich mit seiner klar besten Runde der Woche noch bis Rang 26 nach vor. Damit kann er in der Weltrangliste zwar seine Position einigermaßen festigen, spürbarer Vorstoß geht sich damit jedoch keiner aus. “Es war ein anständiger Abschluss der Woche in Schottland und es fühlt sich so an als würde es mit dem Spiel vor den Open in die richtige Richtung gehen”, so Bernd nach seiner letzten Runde in Schottland.

Thomas Detry (BEL) (67), Matt Fitzpatrick (ENG) (67) und Min Woo Lee (AUS) (64) marschieren bei gesamt 18 unter Par über die Ziellinie und müssen sich so den Sieg im Stechen ausmachen. Nach drei gelungenen Abschlägen knallt der Australier dann jedoch die klar beste Annäherung aufs Grün und locht mit gerade mal 22 Jahren nervenstark den Birdieputt aus gut zwei Metern. Damit setzt er sich bereits am ersten Extraloch gegen seine beiden erfahrenen Kontrahenten durch und fährt gleich als ersten European Tour Sieg seiner Karriere einen Rolex Series Titel ein, der ihm auch noch die Türe zu den Open Championship öffnet.

Letzte Chance: Open Championship

Mit dem verpassten Spitzenplatz in Schottland kann er auch die Top 50 der Welt nicht wieder knacken und hat somit nun wohl nur noch die Open Championship in Royal St. Georges kommende Woche um seine selbstgesteckten hohen Ziele noch zu erreichen. Die Open sind auch in gleich doppelter Hinsicht enorm wichtig für den Burgenländer, da er neben zahlreichen Weltranglistenpunkten auch Punkte fürs Non-Member Ranking der PGA Tour sammeln kann.

Die US-Tourcard war vor der Saison eines seiner erklärten Ziele und die Ausgangslage war nach einem 4. Platz bei den RSM Classic letzten November auch richtig gut. Bernd verabsäumte es jedoch bei etlichen Möglichkeiten sich die verbleibenden Punkte noch zu krallen und droht somit nun trotz der starken Ausgangslage und der größeren Zeitspanne aufgrund der coronabedingten Wrap Around-Season dieses Ziel zu verpassen.

Sollte sich kommende Woche jedoch das erhoffte und angepeilte Topergebnis beim Major tatsächlich ausgehen, könnte er in gleich vierfacher Hinsicht jubeln. Zum einen würde er die benötigten Punkte im Non-Member Raking sammeln, zum anderen würde er auch die Top 50 der Welt wieder knacken. Diese würden ihm schließlich auch einen Starplatz bei den St. Jude Invitational garantieren, für die er bis dato noch nicht qualifiziert ist. Zum Drüberstreuen würde er auch einen neuen österreichischen Rekord bei Majors aufstellen, den nach wie vor Markus Brier inne hat.

Leaderboard Scottish Open

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